Seit gestern besitze ich eine Straßenkarte. Und ich sage euch, da sieht vieles anders aus als auf google. Wenn ich auf die Papierkarte schaue, verstehe ich überhaupt nicht mehr, warum wir von Moncofar aus den Weg über die Berge Richtung Alicante genommen haben und nicht an der Küste entlang.
Aber so war es. Castalla liegt auf 600m und in der Nacht waren um die 5°. Daher ist klar, am nächsten Tag fahren wir wieder an die Küste.
Abends löst sich eine Zahnkrone bei mir, so dass ich am nächsten Tag einen Zahnarzt brauche. Massentourismus hat auch sein Gutes, in der Nähe von Alicante gibt es auch deutschsprechende Zahnärzte bzw. Helferinnen und so waren wir doch dort ungeplant unterwegs und kamen erst gegen Nachmittag weiter. Nach wie vor wollen wir das starke Regen und Sturmgebiet so schnell wie möglich hinter uns lassen und fahren daher nicht an der Küste entlang, was etwas weiter wäre. Finden mühsam einen Stellplatz hinter einem Supermarkt, die Nacht ist unruhig. Der Wind schüttelt das Womo ganz schön durch. Am nächsten Morgen also so schnell wie möglich wieder weiter.
Unser Ziel soll Cabo de Gato sein, ein Naturpark östlich von Almeria. Aber die Unwetterwarnungen für diesen Ort sind auf rot, daher wollen wir so schnell wie möglich weiter nach Westen. Der Wind bläst stark und Eckhard muss das Lenkrad wirklich sehr fest halten.
Noch haben wir im Auto das Paket mit dem defekten Gasregler, das muss noch zu dhl. In Spanien ist das nicht bei der Post angeschlossen, sondern ein komplett eigenes Unternehmen, dass nur in einigen Städten Annahmestellen hat. So auch eine in Almeria. Also fahren wir von der Autobahn ab und ins Industriegebiet. Wir hatten eine Rücksendeschein per email erhalten und können das Paket dort aufgeben, das funktioniert einwandfrei.
Um die Ecke gibt es eine Bar/Restaurant, in der die Menschen aus den umliegenden Firmen essen gehen. Es gibt typische andalusische Küche und Preise.
Der Wirt empfiehlt uns Migas. Wir sind mutig und bestellen. Das ist altes, eingeweichtes Brot, zerkrümmelt und gebraten. Dazu verschiedene Dinge. Auf meinem Teller ein Stück gebratenen Fisch, gebratenene Blutwurst und Peperoni. Also, der Erfahrungswert ist hoch, aber so richtig lecker ist es nicht. Egal, die Erfahrung zählt :-))
Wir wollen auf jeden Fall noch hinter das Unwetter kommen und bis Motril fahren. Dazu muss man das sogenannte Plastikmeer hinter sich lassen. Es wird so genannt, weil rund um Almeria tausende Quadratkilometer Tomaten, Paprika, Auberginen, Zucchini angebaut werden für ganz Europa – und das unter weißen Plastikplanen. In allen Reiseberichten steht nur, bloß schnell durch! Es weht immer noch stark, sie haben eine Autobahn in die Felsen gefräst und immer wenn man auf eine freie Stelle kommt, muss man das Auto besonders fest halten. Und dazu dieser Anblick von kilometerweisem Plastik.

Einfach schrecklich. Da fragt Eckhard, in Anlehnung an unsere Morgenlektüre, könntest du den Anblick auch lieben? In mir sträubt sich alles. Dieses Zeugs hier steht für mich für Müll, Umweltbelastung und Konsumverhalten, warum müssen Nordeuropäer das ganze Jahr frische Tomaten haben?? Und dann soll ich das lieben? So eine Eso-Scheiße.
Nach einer weile fragt Eckhard, wie werden die Tomaten eigentlich bestäubt? Ich gebe die Frage genau so bei Google ein (auch Google ist ein geniales Werkzeug, danke dafür!) und stoße auf einen Artikel, der ein ganz anderes Licht auf diese Art des Anbaus wirft. Dass es da Menschen gibt, die sich Technologien ausgedacht haben, die z.B. den Wasserverbrauch um 40%reduzieren, die Verpackungsstationen leiser machen und sie sagen, dass sich der konventionelle Anbau immer mehr dem ökologischen in Almeria annähert. (Wer sich für den ganzen Artikel interessiert, hier der link https://www.presseportal.de/pm/136835/4444467) Ich weiß nicht, ob das alles so stimmt, was in dem Artikel steht oder welche Quelle genau sie schreibt, ich bemerke aber, wie sich in mir etwas verändert. Ich kann plötzlich mit anderen Augen auf die Flächen schauen und sie sind nicht mehr so schrecklich. Ich kann auch die schönen Dinge wieder sehen. Wir fahren von der Autopista ab, um noch direkter an der Küste zu fahren. Auch hier, an der Steilküste, stehen überall, wo es irgendwie geht, Anbauflächen mit Plastikplanen. Letztendlich nicht anders als auf La Palma, dort bauen sie Bananen an. Wir finden einen sehr schönen Campingplatz, der uns mit 30€ für die Nacht aber zu teuer ist. Einen Ort weiter stehen wir jetzt auf einem reinen Wohnmobilplatz, für nen 10er. Haben unser Womo ganz alleine gelassen und sind ins Städtchen gelaufen. Und auch die Heizung kann wieder aus bleiben!