Von Marrakesch aus ist die Frage, ob man Richtung Osten, also in die Wüste fährt, oder Richtung Südwesten, dann kommt man nach Agadir und an die Küste. Wir entscheiden uns für letzteres, und fahren durch bis Tiznit. Wir hatten schon in Spanien gehört, dass es dort günstige Wohnmobilreparaturen gibt. Der Riss an der hinteren Stoßstange ist wieder aufgegangen, wahrscheinlich doch bei der Einfahrt auf die Fähre, mal sehen, vielleicht lassen wir es wieder richten.
Auch auf dieser Fahrt bleibt der Atlas im Dunst.


In Tiznet gibt es viele Stellplätze und VIELE französische Rentner. Wir entscheiden uns für einen nicht ganz so vollen Platz an Rande der Stadt. Und endlich, nach fast 1000km, die wir schon durch Marokko gefahren sind, gibt es eine Straßenkarte in einem Schreibwarenladen zu kaufen. Wobei es hier oftmals nicht Läden sind, in die man hineingehen kann, sondern eine Art Kioske, nur größer. Wir stehen also an einer Art Theke und der Verkäufer verschwindet in den Tiefen seines Ladens und kommt tatsächlich mit einer französischen Straßenkarte von Marokko zurück. Wir sind glücklich und er ist glücklich, dass er uns glücklich macht und das alles für 30 Dirham (knapp 3 Euro).
Mittwoch ist großer Gemüsemarkt in Tiznit, wirklich groß, wir fahren mit den Fahrrädern hin und der Parkplatzwächter passt natürlich für ein kleines Trinkgeld auf unsere Räder auf. Wir füllen unsere Fahrradtaschen mit Gemüse und Obst, z.B. mit Tomaten für knapp 60 Cent das Kilo. Grundnahrungsmittel kosten für unsere Verhältnisse sehr wenig. Man füllt eine Plastikschüssel, wie die türkis bzw. pinkfarbene im Hintergrund mit der Ware und dann wird gewogen.

So ungefähr zumindest. Oder man bekommt noch eine Zitrone dazu, wenn es noch kein ganzes Kilo ist oder wenn der Verkäufer das passende Wechselgeld nicht hat, eben noch eine Banane. Ich habe erst zu Hause das breite Grinsen des Verkäufers im Hintergrund gesehen.

Vor der großen Markthalle gibt es einen Flohmarkt, der auch nur am Mittwoch auf hat, unter der Woche bleiben viele der Dinge “verräumt” dort stehen, es ist kein Sperrmüll!

Auf den WohnmobilStellplatz kommt auch ein Handwerker, aber es ist ein Friseur und Eckhard lässt sich die Haare schneiden.

Ein anderer bemalt Wohnmobile, das hatten wir auch schon gesehen und haben uns für ein kleines Bild entschieden. Nur haben wir keine Leiter, der Maler auch nicht und so steht der Stuhl auf einer Tonne und Eckhard muss den Stuhl festhalten.
Tiznit ist bekannt für traditionellen Silberschmuck der Berber. Aber mich interessiert weiterhin vor Allem das Thema Gewürze. Ich hatte Aicha Schatz, die Besitzerin des Stellplatzes in Marrakesch, nach einem Tipp gefragt. Ihrer Einschätzung nach ist es Ras el- Hanout, was Kim mir mitgebracht hatte. Heißt wörtlich übersetzt “Kopf des Ladens”, jeder Gewürzladenbesitzer erstellt seine eigene Mischung. So ist es zumindest traditionell, es gibt eben auch die fertigen Mischungen auf den Basaren. Also brauche ich einen Händler, der seine Gewürze selbst zusammenstellt und mahlt.
In dem Souk von Tiznet werde ich fündig. Ich gebe ihm meine Mischung und er stellt alles mögliche zusammen, ein paar Dinge kann ich erkennen, wie Kurkumawurzel, drei ganze Pfeffernüsse, Zimtrinde, Sternanis, Ingwer, Koriander, Pfeffer zum Beispiel, anderes ist mir fremd. Leider habe ich nicht mitgezählt, aber 20 Sorten waren es mindestens. Das alles kippt er in eine der blauen Mühlen, die ihr im Hintergrund sehen könnt. Das Ergebnis riecht bombastisch. Wir kaufen noch frischen gemahlenen Zimt und Kreuzkümmel und ganzen Schwarzkümmel, der frisch zerrieben gut gegen Schnupfen sein soll – die nächste Erkältung kann kommen. Für alles zusammen 45 Dirham – ich kann es kaum glauben, den es sind 350g Gewürze – ob sich dieser Händler zu unseren Gunsten verrechnet hat?

Jetzt muss ich nur noch einen Weg finden, hier mal mein Rezept “marokkanische Birne” mit dem neuen Gewürz auszuprobieren!


Oh, das mit den Gewürzen klingt göttlich
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