Bis letzte Woche Mittwoch, 22.1., waren wir noch in Sidi Ifni. Bis dorthin hatten wir eine klare Vorstellung unsere Route. Jetzt ist die große Frage, wie geht es weiter? Erstmal den Regen abwarten, unser erster in Marokko. Der Campingplatz ist nicht wirklich schön, aber die Stadt hat eben ihren Reiz.

Ich verfolge lose verschiedene blogs von “im wohnmobil-lebenden” Menschen, die den Winter immer in Marokko verbringen. Einer davon ist “kasteninblau”, sie fahren ungefähr die gleiche Route wie wir ( oder wir wie sie, genauer gesagt). Deren Lieblingsplatz ist eine Oase ca. 100 km von Sidi Ifni ins Landesinnere, am Fuß des Anti-Atlas. So sind wir Mittwoch dahin aufgebrochen. Die Landschaft verändert sich von der Küste innerhalb weniger Meter. Die Berge und dahinter die Steppe.

In meiner Vorstellung waren Oasen viel kleiner, ein runder Platz mit Palmen umstellt, hihi. Aber in echt sind die größer, zumindest die Oase Tighmert, mit mehreren kleineren “Siedlungen”, das heißt, ein paar “Häuser”, oft aus gestampftem Lehm, Felder, viele nicht bewirtschaftet und aber tatsächlich vielen Palmen. Es gibt drei Campingplätze, der erste, zwar ein schön angelegter Garten mit großen Palmen, aber zum einem ist hier auch Winter, das heißt, im Schatten ist es eher kühl, morgens richtig kalt. Und Ab Mittag brutzelt man in der Sonne – zum anderen eine Baustelle auf und eine neben dem Platz. Aber zum Glück gibt es ja noch weitere, und so stehen wir jetzt seit Freitag auf dem Campingplatz Oasis bei Hassan, der auch etwas deutsch spricht. Und jeden Abend gibt es den Fototapeten- Sonnenuntergang!

Am ersten Abend waren wir dann auch gleich bei der Familie zum Essen eingeladen, es gab gebratenen Sardinen und das obligatorische Fladenbrot, ohne das geht hier gar nichts. Es ist eben auch Besteckersatz, man isst mit den Fingern.
Samstag einkaufen in Guelmim auf dem Wochenmarkt, unsere Gemüse- und Obstbestände auffüllen.

Um die Mittagszeit rum sitzen viele Händler hinter ihren Ständen und essen aus der Tajine. So auch an einem Stand, der Lauch hat, den ich noch nirgends anders gesehen hatte. Aber stören will ich nicht. Einen Moment später tritt aber ein Einheimischer an den Stand und so können wir auch dort einkaufen – drei Stangen Lauch und zwei Bund Kräuter, alles andere haben wir schon. Als Eckhard bezahlen will, fragt der Händler, ob wir mitessen wollen – also genauer, er sagt: “Manger” ? Und zeigt auf die Tajjine, um die schon drei andere Männer auf Obstkisten drumherum sitzen. Und Eckhard sagt, “No, Merci” !!! Ich denke, NEIN, natürlich wollen wir mitessen, egal was, so ein Erlebnis gibts doch nicht alle Tage. Ich lese immer wieder von der großen Gastfreundschaft der Marokkaner, aber außer auf den Campingplatz haben wir bisher keinen Kontakt gehabt. Zum Glück wiederholt er seine Einladung und wir sagen zu. Wir bekommen Wasser über die Hände gegossen zum Waschen, gegessen wird ja mit de Fingern, zwei rücken jeweils auf ihrer Kiste zusammen, wir bekommen Fladenbrot abgerissen und dann tunken wir, wie alle anderen auch, das Brot in die Tajine, man schiebt etwas Gemüse an den Rand und nimmt es mit dem Brot auf – was gar nicht so einfach ist, die Tajine ist immer noch sehr warm. Außer dem Standbesitzer spricht keiner französisch, er sagt fast immer nur “Mademoiselle manger manger”. Es schmeckt total lecker, in der Mitte ist auch ein bißchen Fleisch, sonst Kartoffeln, Erbsen und Karotten. Aber das nur nebenbei. So sitzen wir mit vier “fremden” Männern fast auf dem Boden und essen gemeinsam. Es fühlt sich total außergewöhnlich und gleichzeitig total normal an. Das Essen ist aufgegessen und der Besitzer fragt, ob wir noch ein Foto machen wollen, aber da springen die anderen schon auf und so gibt es nur noch die leere Tajjine.

Und unser Gemüse dürfen wir auch nicht bezahlen.
Zurück auf dem Campingplatz gehen wir noch zu einem deutschen Paar, beide weit über die siebzig, die zum xten Male in Marokko sind, um uns ein paar Tipps für unsere Weiterfahrt zu holen. Es wird ein schönes Treffen mit einer Flasche Grauburgunder – Helmut hat immer 40 Flaschen auf allen Reisen dabei!
Die Frage, wie wir weiterfahren, beschäftigt uns den ganzen Sonntag. Ursprünglich dachten wir, dass wir quasi fast die gleiche Strecke zurück fahren, nicht an die Wüste ran und auch nicht über die Berge. Aber alle, die wir getroffen haben und über die Berge von Tanger runter gekommen sind, haben uns vorgeschwärmt, wie atemberaubend schön die Landschaft ist, bis dahin, dass Helmut meinte, das eigentliche Marokko findet man im Landesinneren. So studiere ich Karten und Reiseberichte im Internet – Zeit für die Strecke haben wir. Als wir schon entschieden sind, es zu machen, fällt uns ein, dass unser Womo bzw. Dessen Turbolader schon seit Sommer ein Problem hat. Das Problem hatte sich nicht verschlimmert und das Auto ist bis hierher super gelaufen. Aber würde es auch die Serpentinen schaffen?
Eckhard meint, ein erster Check wäre eine Kompressionsmessung. Wir checken verschiedene Quellen und entschließen uns, nach Guelmim zu einer Werkstatt zu fahren. Dort hatten wir Samstag ein Wohnmobil aus Potsdam – Mittelmark ohne Räder stehen sehen, und wollen nachzufragen, ob sie uns weiterhelfen können.
Können Sie! Mit sechs Mann und zwei Frauen, die englisch sprechen und übersetzen, stehen sie um unser Womo herum. Aber die Werkstatt an sich ist die falsche, wir sollen zu einer anderen fahren. Damit wir auch die richtige finden, will einer mitfahren, der auch spanisch spricht und dann noch einer, der dann einfach auf dem Schoß des ersten vorne sitzt, ich hinten.
Die andere Werkstatt ist nicht weit, aber auch die können uns nicht weiterhelfen, aber sicher eine weitere. Na, ob das noch was wird?
Aber doch, das andere ist eine “richtige” Auto-Motor- Schrauber- Werkstatt, so groß wie eine Garage, so wie alle Werkstätten hier, und alle am Straßenrand.
Mit lustigen Aussagen bzw. Übersetzungen erklärt uns der “Spanier”, das wir eine Minute “Brrt” machen müssen, was auf deutsch heißt, den Motor zwischen 3 und 4Tausend Umdrehungen zu halten und dann ist alles “Aahh” wieder gut. Und möglichst einen Wasserschlauch in den Auspuff bei laufendem Motor halten, dann käme der ganz Dreck raus, denn der Katalysator sei verstopft, nix Turbolader. Was sich nach einer abenteuerlichen Beschreibung anhört, hat uns später dann das Internet als wirkliche Methode zur Reinigung des Kat bestätigt. Und das alles haben sie gecheckt, in dem sie die Hand vor den Auspuff gehalten haben und Gas gegeben. Mit vielen guten Wünschen werden wir verabschiedet und wir müssten unbedingt nach Sidi Ifni im Meer baden, Unseren Einwand, dass wir dort schon waren, ignoriert der “Spanier” und macht immer nur Schwimmbewegungen am Straßenrand zum Abschied.
So werden wir morgen frohen Mutes Richtung Osten aufbrechen.