Tafraoute hat drei Campingplätze und nochmal drei sehr große „freie“ Stellplätze. Der Ort selbst hat 7000 Einwohner und jetzt Ende Januar kommen hunderte Wohnmobilisten, wirklich HUNDERTE dazu. Entsprechend hat sich der kleine Ort darauf eingestellt: mehrere Teppichhändler, unzählige Reparaturwerkstätten für Wohnmobile, und das übliche Programm von Händlern für Markisen, Solaranlagen und Scheibenwischern.
Wir beschließen, uns einen Platz nach dem anderen anzuschauen. Die offiziellen haben, wie immer, eine Mauer drumherum, und im Vergleich zu den großen, freien Plätzen wirkt das doch sehr eingeengt. Mitten auf einem dieser freien Plätze treffen wir Andrea und Paul aus England, neben ihnen standen wir schon in Sidi Ifni. Sie parken an einer Feuerstelle und laden uns ein, auch dort zu bleiben, es kommt später auch noch ein Freund von ihnen, ein Holländer.

Unser Nachmittagsspaziergang führt uns ins Städtchen. Wie gesagt, der Ort lebt vom Tourismus und entsprechend clever machen sie ihre Geschäftsanbahnung. Als wir Mittag gegessen hatten vor unserem Womo kam ein Berber auf dem Moped vorbeigefahren und wünschte uns einen Guten Appetit, er spricht deutsch. Und just genau diesen Mann treffen wir „zufällig“ in der Stadt wieder und über den Wiedererkennungseffekt hat er uns sofort in ein persönliches Gespräch verwickelt. Wir bekommen eine kleine Führung durch den Ort, was man wo gut kaufen oder essen kann und landen in – na klar, seinem Teppich- und Antiquitätengeschäft. Nur schauen, das kostet ja nichts. Zum Glück haben wir ja keine Wohnung, und im Lager sowieso schon geerbte Teppiche, denn diese bunten marokkanischen , die ganz anders aussehen als Orientteppiche, gefallen mir gut. Aber – kein Platz! Und einen kleinen hellen Berber, den ich Lara mitbringen möchte, hat er nicht. So sind wir ohne Tee auch schnell wieder aus dem Laden.
Abends sitzen wir am Lagerfeuer mit den Briten und genießen den Sternenhimmel. Wir hatten schon mitbekommen, dass Paul ein totaler Brexit-Fan ist, sein Wohnmobil heißt Boris! Und so nutzen wir die Gelegenheit, mal zu hören, was er sich davon verspricht – eine Übung im urteilsfreien Zuhören und nicht zu argumentieren. („die spinnen, die Briten“)

Die Tagestemperaturen sind mittlerweile bei über 30 Grad, zu warm für die Jahreszeit. Und das ganze bei einer Lufttemperatur von 15%, da trocknet man förmlich aus. Viel Wasser, viel Creme, Lippenbalsam und Nasendusche helfen.
Mit dem Fahrrad fahren wir Freitag zu den blauen Steinen, 7km weit und 350m hoch, das aber schön gleichmäßig. Ein belgischer Künstler hat in den 80iger Jahren einige der großen Granitblöcke, die hier zu hauf rumliegen, mit blauer Farbe angemalt und die Einwohner erneuern ab und an die Farbe.

Samstag geht uns langsam der Strom aus, aber es gibt im Ort eine Versorgungstation, dort können wir die Batterie wieder aufladen und kaufen derweil fürs Abendessen ein – es gibt Pizza aus der Tajjine.

Ich hatte zwar mit den anderen verabredet, dass wir den Abend nochmal am Lagerfeuer verbringen, dass für mich da auch ein gemeinsames Essen dazu gehört, aber nicht. So habe ich viel zu viel Teig und Tomatensoße gemacht – und dann eingefroren. Und mich geärgert, dass ich so ungenau kommuniziere. Der Abend wird dann aber doch noch ganz schön, und es kommen noch weitere Leute dazu, ein Paar aus Sydney, die sich in der Ukraine ein 19! Tonnen schweres Wohnmobil haben bauen lassen und damit auf Weltreise sind. Bevor wir Sonntag morgen weiter fahren, haben wir noch ein interessantes Gespräch mit den beiden- und ich bekomme einen ganz anderen Zugang zu den sozialen Medien, denn darüber sind all die Reisenden vernetzt, und laut Elizabeth gibt es Tipps und sie bekommen Einladungen in aller Welt. Ich werde meine Ablehnung gegenüber Facebook nochmal überdenken!
Am Ortsausgang fahren wir tanken und da die Tankstelle aussieht wie eine „richtige“, gehe ich davon aus, dass ich mit Karte zahlen kann. Falsche Annahme und genügend Bargeld haben wir nicht mehr. Der nächste Bankomat ist ein Stück entfernt – aber alles kein Problem, wir sollen einfach mit dem Wohnmobil Geld holen und wieder kommen, bedeutet uns der Tankwart, denn französisch spricht er nicht und vertraut uns, dass wir wieder kommen. Es sind diese warmen, menschlichen Gesten, die uns hier immer wieder begegnen und uns so gewinnen für dieses Land.
Für die Fahrt hole ich noch ein Berberbrot, dass auf heißen Steinen gebacken wird – und manchmal bleibt ein Stein drin stecken. Der Verkäufer will es rausnehmen, ich will es aber behalten, was ihn sichtlich freut und ich als Glücksbringer betrachte.
So fahren wir über die Berge, wieder mal eine unnamed Road und haben wieder Glück, sie ist gut befestigt. Unterwegs werfen uns Frauen Kusshände zu und die Kinder, denen wir Bleistifte schenken, tanzen vor Freude auf der Straße. Die Schafshüterin im Tal ruft uns ihr Willkommen während unserer Mittagspause über das Echo zu und die ersten Mandelbäume stehen in ihrer Blütenpracht.

Nur mit dem angedachten Campingplatz in Taurodant ist es nichts, denn es gibt keinen Internetempfang und der Montag soll Arbeitstag sein. Also auf zum nächsten. Hätten wir mal besser die große Straße genommen. Wir landen mitten in einem Viertel, in dem die Abwässer ungeklärt auf der Straße landen. Es stinkt fürchterlich, mittendrin spielen Kinder und zwei Jungs versuchen sich an unser Auto zu hängen. Erst als wir anhalten, hauen sie ab. Auch das kann einem hier passieren, ist aber nicht die Regel.
Das blöde ist, dass der nächste Campingplatz an einer gut befahrenen Straße liegt und Internetempfang ist auch nicht so prall. Wir entscheiden, wieder aus Taurodant weg zu fahren, der nächste CC liegt 25km Richtung Agadir, der MUSS dann passen.
Auch hier ist das Internet ganz schwach und als es dunkel ist, werden die Hühnerställe auf dem Nachbargrundstück geleert. Es stinkt grauenhaft. Also alle Fenster schnell zu, es sind ja NUR noch 28 Grad im Womo, kalt ist uns nicht. Damit ist klar, wir werden hier auch nicht bleiben, und beschließen. Montag nach Marrakesch zur Familie Schatz zu fahren.


In Taroudannt hatten wir bei unserer Marokkoreise unser Standorthotel, aber etwas außerhalb an der Straße nach Agadir. Von dort sind wir dann täglich zu unseren Wanderzielen gefahren.
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