11. – 12. Februar

Den Verwalter des Permaḱulturprojektes haben wir leider nicht mehr getroffen, so dass wir nach zwei Nächten dort weiter nach Fès fahren. Mit googlemaps erlebt man echt lustige Sachen. Die Routenführung schickt uns eine Straße entlang, auf der die Gullydeckel in der Mitte der Straße alle fehlen. Immerhin haben nette Menschen das mit großen Steinen oder Säcken gekennzeichnet, sonst holt man sich hier auch mal schnell einen Achsbruch. Aus dem Stellplatzführer wussten wir schon, dass es in Fès leider nicht einen so ruhigen Parkplatz in der Stadt gibt, wie wir ihn in Meknès hatten, aber alle anderen sind weiter draußen und so beschließen wir, dass das für eine Nacht schon gehen wird. Vom Straßenlärm her gesehen geht es auch, aber dass mitten in der Stadt SOVIELE streunende Hunde sind, haben wir nicht erwartet. Die schlafen den ganzen Tag und nachts werden sie aktiv.

Auch hier sind wir nicht wirklich in Sightseeing-Laune und von daher suchen wir ein Teppichgeschäft, dass auf Tripadvisor gute Bewertungen hat (ich weiß, ich weiß, dass man diesen Bewertungen auch nicht glauben soll!) Aber da wir schon einige Geschäfte in anderen Städten durch haben, fühlen wir uns schon etwas sicherer in der Auswahl.

Die Medina in Fes ist die größte und verwinkelste in Marokko und googlemaps funktioniert an vielen Stellen gar nicht. Einige sagen, ohne einen Stadtführer schafft man es nicht, und es gibt entsprechend viele selbsternannte Führer, mit denen man dann in ihren Geschäften landet. Angesprochen werden wir aber nur von den Kellnern der vielen Restaurants. In einer engen Gasse sprechen wir dann einen jungen Mann an, der uns aber scheinbar missversteht, denn er führt uns wieder raus zu dem großen Tor! Immerhin will er dafür kein Geld.

Innerhalb der Medinas haben wir miteinander immer ein wenig Stress. Durch den Lärm hört Eckhard mich schlecht und ich spreche dann auch noch weiter, wenn ich schon wieder in den nächsten Shop schaue, statt in seine Richtung. Komisch, er wird dann ganz schnell sauer 😉

Aber irgendwann finden wir den Laden unserer Wahl. Da wir sehr genau wissen, was wir wollen, sparen wir uns die allgemeine Einführung in die Art der Teppiche und landen direkt in einem kleineren Verkaufsraum, denn wir wollen ja auch nur einen kleinen Teppich, einen Berberteppich, Beni Ourani, den ich gerne Lara mitbringen will. Sie weiß davon und von daher schicken wir ihr Fotos, da die Muster und Farben doch sehr unterschiedlich sind. Das dauert dann immer eine Weile, bis die Bilder durch sind, wir bekommen Tee und der Verkäufer geht auch erst mal beten.

Die Welt des Internets ist schon faszinierend: da sitzen wir mitten in Fes im Teppichladen und Lara in Deutschland, wir schicken Fotos und Nachrichten hin und her und einigen uns dann auf ein Exemplar! Jetzt aber kommt ja erst der eigentliche Teil, das HANDELN. Was wir schon gelernt hatten: NIE zuerst die eigene Preisvorstellung sagen, erst muss der Händler seinen Preis nennen, der mindestens doppelt so hoch sein wird, wie das, was man bezahlen will/kann.

Er fängt mit 3800 Dirham an ( der Einfachheit rechnet man durch 10, der Kurs ist aber zur Zeit bei etwas mehr als 9€, so ist man auf der sicheren Seite bei der Umrechnung). Wir machen erschrockene Gesichter, das gehört dazu. Das ist VIEL mehr, als wir ausgeben wollen, unsere Preisvorstellung liegt bei 100 Euro ungefähr. So fragen wir, welchen Teppich wir denn für 1000 Dirham bekommen würden. Darauf packt er alle Teppiche zusammen und wir sollen mitkommen. Jetzt geht es durch eine enge Seitengasse in das Lager des Händlers. Dort breitet er die letzten fünf Teppiche wieder aus und wir fragen, welcher denn der für 1000 Dirham sei. Großes Lamentieren seinerseits, sein Vater würde ihn an den Ohren rausschmeißen und er dürfte nicht mehr nach Hause zurück kommen. Für das von uns ausgewählte Stück ist sein Preis jetzt bei 2700. Wir erhöhen auf 1100. Bis zu diesem Zeitpunkt hat ausschließlich Eckhard das Gespräch geführt. Ich schalte mich ein, da die eine Ecke des Teppichs nicht rechtwinklig ist. Das führt beim Händler zur Belustigung, dass sei in Deutschland wichtig, aber wir sind in Marokko. Trotzdem geht er auf 2200 runter und ich auf 1200 rauf, dass sei nun wirklich unser letztes Angebot. Um diesen Preis durchzusetzen, hätten wir wahrscheinlich jetzt aufstehen müssen und gehen, haben wir aber nicht. Er ist mittlerweile bei 1800, ich bei 1300. Zu dem Zeitpunkt ist klar, wir werden uns einig und der Händler und ich werfen uns die Zahlen zu, er sehr theatralisch, nach jedem Angebot dreht er sich erstmal um. Dann habe ich verpasst, einen 50Dirham-Schritt einzubauen, und so landen wir dann bei 1500 und schlagen ein. Noch ein bisschen Gejammer auf beiden Seiten, wir, dass wir jetzt kein Geld mehr haben und er, dass er so wenig verdient hat – gehört dazu.

Mit etwas mehr Verhandlungsgeschick hätte ich wahrscheinlich noch 100 Dirham rausschlagen können, das beschäftigt mich noch einen Moment, aber letztendlich bin ich zufrieden, denn ich bin doch weit unter der Hälfte des Anfangspreises gelandet. Wir machen uns auf zu den Ledergerbereien. Google ist ausnahmsweise gerade zuverlässig und so sind wir schon ein ganzes Stück weit eingedrungen in das Labyrinth der Gassen, als uns ein kleiner Junge, höchstens acht Jahre, anspricht. Wir verstehen in kaum, er will jedenfalls wissen, wo wir hin wollen. Er läuft ein paar Meter neben uns her, bis ein etwas älterer, vielleicht 11 Jahre, ihn aufhält. Wir gehen weiter und zwei Ecken später treffen wir auf einen Jugendlichen, der relativ gut Englisch spricht und uns gerne zu den Gerbereien begleiten will. Da die Gassen immer enger werden, manchmal nur niedrige Durchgänge sind, bleibt uns letztendlich nicht viel anderes übrig, als ihm zu folgen. Und ZUFÄLLIG gehört seinem Vater auch eines der Ledergeschäfte, von deren Dachterrassen man die Männer bei der Arbeit sehen kann. Sie gerben und färben die Häute noch nach ganz alter Tradition, mit Taubenschiss für den Ammoniak und in die großen gemauerten Bottichen mit den Farben steigen die Männer hinein und treten die Häute, bis sie die gewünschte Farbe haben. Mittlerweile tragen sie wenigstens Gummilatzhosen, das war wohl vor ein paar Jahren nicht der Fall. Auf meine Frage, was denn ein Arbeiter verdient, antwortet mir der Händler, dass es abhängig vom Umsatz ist, den sie mit dem Verkauf machen. Ob das stimmt oder es der Versuch ist, mich über Mitleid doch zum Kauf einer Tasche oder Lederjacke zu animieren, weiß ich nicht. Wir hatten von Anfang an gesagt, dass wir nichts kaufen werden – no problem. Trotzdem werden wir natürlich durch alle Verkaufsräume geführt. Aber wir bleiben bei unserem Nein und der Sohn führt uns wieder zurück zur „Hauptstraße“. Dass wir ihm ein Trinkgeld geben – darauf hatten wir uns schon verständigt. Eckhard gibt ihm 10 Dirham, das findet er eine Beleidigung und verlangt 100! Mit 25 ist er dann aber auch zufrieden. Wir schlendern zurück, also ICH schlendere und Eckhard wartet netterweise immer auf mich, erstehen noch ein weiteres Souvenir und ein paar Dinge fürs Abendessen. Bevor wir schlafen gehen, macht Eckhard den Hunden noch ein strenge Ansage, was tatsächlich für den Moment wirkt, aber in der Nacht geht das Gekläffe weiter.

Morgens gönnen wir und ein authentisches Frühstück unter Einheimischen. Wir sind die einzigen Touristen und die Verkäufer sprechen kein Wort französisch. Aber wir haben eine Art Pfannkuchen mit Mandelmus, Joghurt, ein „Brötchen“ mit Wurst und Käse und zwei große Gläser Orangensaft und einen Milchkaffee, lecker, für 50 Dirham! Den Verkäufer freut es und uns auch! Das ist die Art Marokko, die uns so gut gefällt. Als wir mit unserem Womo, das ein paar Meter weiter hinten in der Straße stand, an dem Laden vorbei fahren, werden wir noch fröhlich winkend verabschiedet.

Ein Kommentar zu “11. – 12. Februar

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