14. – 16. Februar

Fahren wir durch das Rif-Gebirge über Chefchauon nach Tanger oder am Atlantik hoch nach Norden? Wir entscheiden uns für letzteres. Zum Abschied gibt es in Fes noch ein Stadttor und eine witzige Ampel zu fotografieren

und dann geht es über eine bizarre Hügellandschaft hinein in das grüne, fruchtbare Nordmarokko. Hier wachsen all die Erdbeeren, die es in Deutschland im Winter schon gibt, aber Geschmack haben sie auch hier nicht.

Rabat hat leider keinen Campingplatz, daher entscheiden wir uns für Kenitra. Dort gibt es zwei, aber der günstigere liegt mitten in der Industriestadt, also fahren wir raus an die Küste zu dem teuersten Platz, den wir bisher hatten. Der Campingplatzführer verspricht dafür saubere heiße Duschen. Normalerweise duschen wir “zu Hause”, was in Marokko auch ein großer Vorteil ist, denn die Sanitäranlagen sind so “naja”. Aber mal mit richtig Platz unter der Brause mit heißem Wasser, das hat schon was. Dementsprechend gibt es auf dem Campingplatz viel Beton und wenig Flair.

Vor wenigen Tagen haben wir festgestellt, dass an dem Einstieg in das Womo etwas kaputt geht. Leider waren wir zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr an Orten, an denen die Reparateure auf die Stellplätze kommen. So frage ich in einem Marokko-Wohnmobil-Forum im Internet, ob jemand auch solche Dienste nördlich des Atlas kennt. Es kannte aber nur jemand jemand anderes, der vielleicht jemanden wüsste. (Ich kenn ene der ene kennt der sät da jeht noh jet – Kölle Alaaf!) Aber diejenige hatte keine Kontaktdaten, aber eine weitere Person hatte diese. So schreibe ich einen mir unbekannten deutschen Mann, der in Marokko lebt, per Mail an und schildere ihm meine Suche. Kurz drauf habe ich schon Antwort: der deutsch-marokkanische Sohn seines Freundes sei gerade zufällig bei Verwandten in Kenitra, er hätte ihn gerade mal angerufen und wir sollen uns bei Salim, so heißt der junge Mann, melden. Ah, deswegen hatten wir am Vorabend die Telefonkarte mit Telefon- statts mit Datenguthaben aufgeladen und können einfach innerhalb Marokkos telefonieren. Wir erreichen ihn direkt und kurze Zeit später ist Salim, auch schon da. Er gehört offensichtlich zu einer wohlhabenden Familie, das lässt sich aus seiner Kleidung und dem Auto schließen. Sein Vater und er handeln mit Edelsteinen, wie wir später erfahren. Salim macht ein Foto des Schadens und sagt, dass er uns morgen früh abholen kommt und zu einer Werkstatt begleitet. Ich bin total berührt von dieser Art von Vernetzung und Gemeinschaft! Der einzige Haken – wir müssen früh aufstehen, denn es ist Freitag. Freitags ist großes Gebet und viele arbeiten nur halbtags oder haben eine lange Pause über die Zeit des Gebets. Im frühmorgendlichen Nebel fahren wir hinter Salim durch den Berufsverkehr. Den haben wir bisher auch noch nicht erlebt. Im Süden des Landes gibt es das nicht und außerdem sind wir um diese Uhrzeit selbst auch nicht auf der Straße.

Mit Salims Hilfe erklären wir dem Mechaniker, was wir wollen und sind uns auch schnell handelseinig, nur soll es bis 16 Uhr dauern. Die Werkstatt liegt am Stadtrand und es gibt keine Aufenthaltsmöglichkeit, außer das Womo selbst, also müssen wir im Fahrerhaus sitzen und hinten wird an der Tür gearbeitet. Salim fährt kurz weg, ist aber später wieder da, was super ist, denn die Menschen in der Werkstatt sprechen nur marokkanisch. Nach drei Stunden ist die Stelle schon repariert und sie fragen, ob sie noch etwas machen können. So lassen wir einen kleineren Schaden an einer Klappe auch noch reparieren, ist im Preis inbegriffen. Wir wissen gar nicht, wie wir uns bei Salim dafür erkenntlich zeigen können, das sprechen wir an und für ihn ist das alles in Ehrensache. Dankbar für soviel Unterstützung fahren wir weiter.

Kurz überlegen wir, ob wir noch mal nach Moulay Bousselham fahren, das war unsere erste Station in Marokko, um zu erleben, wie es uns jetzt nach all den Erfahrungen dort gefällt, aber unsere Neugier ist größer, so fahren wir nach Asilah. Sehr unterschiedliche Erlebnisse prägen den Aufenthalt. Die erste Nacht verbringen wir auf einem Parkplatz am Hafen, angeblich sehr ruhig nach 21 Uhr, wenn das Hafentor geschlossen wird. Doch weit gefehlt, die Hafenkneipe macht bis weit nach Mitternacht Lärm. Uns fällt uns an diesem Ort auf, wie viele Obdachlose es gibt. Wir haben auch viele Bettler und Bettlerinnen in anderen Städten gesehen, aber hier ist es anders. Sie wirken kaputter und ich vermute, es liegt daran, dass es hier wohl auch leichter Alkohol zu besorgen gibt bzw. Der Parkplatzwächter fragt uns direkt danach. Das hatten wir bis jetzt noch nicht. Gelesen hatte ich davon, in Tafraoute gab es auch Camper, die damit gehandelt haben. (Es gibt Einige, die palettenweise Dosenbier mit sich führen als Bakshish)

Ein Fischer kommt an unser Auto, der sehr gut Englisch spricht, er war mit einer Frau aus Liverpool verheiratet. Der Kontakt ist angenehm und wir bestellen einen Fisch für den übernächsten Tag in der Hoffnung, dass Eckhards Verdauung bis dahin sich stabilisiert hat. Er laboriert mit Durchfall, was ihn auch schwächt und seine Kondition beeinträchtigt.

Als wir uns am nächsten Morgen den örtlichen Campingplatz ansehen, fahren wir nach ein paar Minuten wieder runter, er ist ranzig und schlampig. Nicht das andere Plätze in Marokko die Ausgeburt von Sauberkeit sind, aber der hier ist einfach nur schäbig, und angeblich ist es der bessere der beiden.

Jetzt müssen wir nur den Fischer wieder finden und unseren Fisch für Sonntag abbestellen. Wir parken in einer Seitenstraße und machen dann einen Spaziergang in den Ort. Dabei entdecken wir die wirklich schönen Seiten von Asilah, denn hier gibt es Kunst und Künstler.

Hier noch die neuste Mode, und beachtet auch die Maße der Schaufensterpuppen!

Auch sind heute die Restaurantbesitzer nicht so penetrant wie am Tag zu vor und wir gehen in ein Imbiss/Restaurant. Für mich gibts Gambas, für Eckhard nur Tee….

Am Nebentisch nehmen ein Mann und zwei vollverschleierte Frauen Platz. Ich weiß mittlerweile, das ich als Frau leicht Kontakt auch zu Frauen mit Schleiern machen kann und so bin ich neugierig, wie sie die Gambas pulen. Wenn ich nicht selbst schon so viele hätte, könnte ich bei ihnen mitessen! Und wie essen sie eigentlich mit dem Schleier? Da man hier sowieso meisst mit Händen isst, heben sie ihn geschickt mit einer Hand kurz zur Seite und mit der anderen schieben sie sich das Essen in den Mund!

Kurz bevor wir wieder losfahren treffen wir auch unseren Fischer – alles gut.

In Tanger angekommen erwartet uns ein ganz anderes Erlebnis, von dem wir auch schon gehört hatten. An der ersten roten Ampel versucht ein Mann unter unser Auto zu kommen. Es ist ein Fluchtversuch nach Europa, wir haben von Menschen auf LKW-Achsen gehört, und auch, dass sie versuchen, mit Wohnmobilen rüber zu kommen. Daher auch der Tipp, zwischen Tanger und Tanger-Med, dem Fährhafen möglichst nicht mehr anzuhalten. Es hinterlässt ein beklemmendes Gefühl, denn es ist schier unmöglich, auf diese Art zu fliehen, denn JEDES Wohnmobil wird bei der Ausreise geröntgt.

Hier sieht man noch seinen Händeabruck

Der Campingplatz liegt ganz malerisch, hat aber ein Salle de Fete und es ist Samstagabend! Aber um Punkt 24 Uhr ist die Musik aus und die Nacht ziemlich ruhig.

Großartige Spaziergänge kann Eckhard nicht machen und von daher entscheiden wir uns, noch mal einkaufen zu gehen, Gemüse und Tee, und das Wohnmobil reisefertig machen zu lassen, der Dreck von tausenden Kilometern soll runter und hier werden Autos mit Sorgfalt von Hand geputzt. Gerade sitzen wir an einer Tankstelle und warten, dass es fertig ist. Morgen geht es dann auf die Fähre – dort ist dann Zeit für ein Resumee.

Tanger am Abend

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