
Mittlerweile sind wir schon den dritten Tag in Castell de Ferro, wir hatten hier auf dem Campingplatz Anfang Dezember unsere deutsche Gasflasche stehen lassen. Von der Fähre aus sind wir bis hierher durchgefahren. Wie sich einige schon gedacht hatten, fiel uns der Abschied aus Marokko nicht leicht. Dazu haben wir mal eine Liste gemacht, was wir vermissen werden:
- Allem voran ist es die Herz- und Freundlichkeit der Menschen. Als deutscher Tourist hat man dort einen besonderen Stand (ich bin mir nicht sicher, ob es den Franzosen auch so geht, weiß es aber nicht). Vieles in der marokkanischen Kultur dient dem Kontakt, auch das Handeln. Das ist für uns erst mal sehr fremd, denn unsere Denke ist, wenn ich weniger bekomme, dann habe ich einen “Verlust”. Aber kein Marokkaner erwartet, dass er den erst genannten Preis bekommt. Es geht um die Interaktion miteinander, nicht um Übervorteilen.
- Den Muezzin! Auch wenn es kaum vorstellbar war, aber wir haben uns so daran gewöhnt, den Tagesablauf zu “hören”, es war eine Orientierung im Tag und auch immer ein kurzes Innehalten.
- Das Verhalten im Straßenverkehr. Es gibt viel weniger Regeln, dafür hat jeder jeden im Blick. Man merkt es, vor allem an den Kreisverkehren. Aus unserer westlichen Sicht ein totales Chaos, jeder fährt, wie er will. Nach einer Weile aber merkt man, dass sie sehr umsichtig fahren. Es ist mehr Miteinander statt Gegeneinander. Zebrastreifen zum Beispiel haben gar keine Bedeutung, zumindest haben wir keine erkannt. Es hält kein Auto an, wenn du davor stehen bleibst. Es fährt dich aber auch keiner um, wenn du einfach losläufst. Ampeln gibt es ganz wenige, und sie dienen nur der groben Orientierung, außer ein Verkehrspolizist ist in der Nähe, dann werden alle ganz genau. Und nicht zu vergessen, es gibt VIEL weniger Autos als in Europa.
- Überall gibt es frisches Obst und Gemüse zu kaufen, am Straßenrand und natürlich auf den Märkten, die immer irgendwo sind. Und das zu sehr niedrigen Preisen. Die Stände sind eine Augenweide. Die Händler türmen die Ware sehr kunstvoll.
- Daran schließt sich ihr Sinn für die Schönheit im Detail an, kunstvolle Mosaike, Schnitzereien.
- Es gibt keine Parkautomaten, dafür immer einen Parkplatzwächter, der für die Dirhams, die man ihm gibt,beim Einparken hilft und auch aufpasst, wir konnten unser Womo immer guten Gewissens in den Städten stehen lassen.
- Der Kontakt, den ich als Frau auf der Straße zu anderen Frauen hatte. Ich habe immer ein offenes Lächeln zurück bekommen, manchmal auch ein kurzes Grüßen mit der Hand, bis hin zu Handküssen, wenn wir mit dem Auto übers Land gefahren sind. Dort winken und grüßen alle, Kinder Frauen, Männer. Wenige machen ein Handzeichen zum Betteln. Leider haben wir keine Familie persönlich kennengelernt.
- Die Vielfalt der Kleidung der Männer, verschiedenste Gewänder, Kopfbedeckungen, Farben. Die Frauen sind auch bunt und unterschiedlich gekleidet, aber auch in Europa gibt es die unterschiedlichsten Kleidungen für Frauen, weniger für Männer.
- Es ist eben alles bunter, vom Straßenverkehr angefangen über die Kleidung bis hin zu den Märkten und Medinas
- last but not least, die Netzabdeckung! Bis auf wenige Ausnahmen gibt es überall super Empfang
Es gibt aber auch Dinge, die wir nicht vermissen werden:
- Der Müll am Straßenrand und seine willkürliche Verbrennung
- die vielen halbwilden kläffenden Hunde
- die Schlaglöcher auf den Straßen
- der Viehgestank
- manchmal gab es aufdringliche Bettler
- die vielen Männer, die keine oder sehr kaputte Zähne haben (für mich als Zahntechnikerin kaum zum aushalten;-)
Die Listen sind sicher nicht vollständig, aber es hat uns einfach saugut gefallen. Vieles hat sich erfüllt, es war warm, wir brauchten keine Heizung, und selten war es zu heiß. Was nicht funktioniert hat, ist die Art zu arbeiten, wie Eckhard es versucht hat. An dem Thema sind wir dran, dazu wird uns in den nächsten Tagen auf der Rückfahrt noch was einfallen, denn unser Leben geht im Wohnmobil erst mal weiter.