Irgendwann im Laufe
des Septembers ist die Idee entstanden, gar nicht weiter nach einer
Wohnung an der Ostsee zu suchen, sondern die Gelegenheit zu nutzen,
den Winter mit dem Wohnmobil im Süden zu verbringen. Zu diesem
Abenteuer sind wir am 22. November aufgebrochen.
In dem Wissen, dass viele Freunde und unsere Familien uns mit ihren guten Wünschen begleiten, schreiben wir dieses Tagebuch, damit ihr bei uns seid und wir bei euch sind.
Es schneit! Wie kamen wir aber auch nur auf die Idee, die N88 durch Frankreich zu fahren und auf über 1200m zu landen. Den Satz in einem blog, dass die Strecke auch über Berge geht, haben wir beide überlesen. Dazu mussten wir auch noch im Dunkeln weiter durch die Berge fahren, denn unsere Batterie hatte sich nicht aufgeladen und die Heizung braucht neben Gas auch noch Strom. So kamen wir im Stockdunkeln auf einem Stellplatz an, dann stürmte es auch noch kräftig und heute morgen war alles weiß.
Wir erwischen uns bei dem Gedanken, dass wir morgen wieder auch außerhalb des Wohnmobils leben können, wie gewohnt. Das wird aber noch eine Weile dauern. Jammern über das Wetter haben wir uns verboten. Daher erzähle ich lieber noch von Karneval und Frühling in Spanien. Beides haben wir dort nämlich auch getroffen, so wie ich es mir gewünscht hatte.
Freitag ist Konfetti-Party. Wir machen noch einen Spaziergang in den Ort Hospitalet de el`infant – so heißt dieser Ort. Auf dem kleinen Dorfzentrum läuft laute Musik, aber kein Mensch weit und breit. Dann gibt es drei Plateaus, auf diesen liegen Säcke und Laubbläser. In einem Geschäft hängt ein Plakat, unser Spanisch reicht soweit, dass wir verstehen, um 17 Uhr soll es eine Karnevalsveranstaltung für Kinder geben. Jetzt ist es 10 vor fünf, niemand ist da. Also drehen wir noch eine Runde. Als wir zurück kommen, füllt sich der Platz langsam mit kleinen Prinzessinnen, Spider-Männern und sogar ein Nemo ist dabei, der gerade so laufen kann. Und tatsächlich, nicht Punkt 17 Uhr, aber höchstens 15 Minuten später wird die Veranstaltung mit einer kleinen Kapelle eröffnet. Und es fliegt Kiloweise Konfetti durch die Gegend. Daher waren auch alle Straßengitter abgeklebt.
Es gibt im Gegensatz zu Karneval in Deutschland keine Bonbons, Kamelle oder sonstiges, einfach nur Konfetti. Aber alle haben einen Riesenspaß, und es geht darum, möglichst viel Konfetti auf andere zu werfen. Daher halten wir uns eher am Rand auf, denn Konfetti im Womo? Lieber nicht.
Abends gucken wir die Stunksitzung aus Köln und Mainz bleibt Mainz – muss einfach sein :-))
Da wir eines unserer Mitbringsel technisch noch etwas aufrüsten müssen, suchen wir Samstag einen Baumarkt und landen in Tarragona in einem großen Gewerbegebiet mit allen Arten von Geschäften, auch einer Autowerkstatt, die uns den fälligen Ölwechsel noch an diesem Tag erledigt. Super! Abends ist großer Karnevalsumzug in Tarragona, aber er fängt erst Mitternacht an, das ist dann nicht so unser Ding. Lieber fahren wir auf den Stellplatz eines Vorortes, der eine Gaststätte direkt neben an hat und gönnen uns ein frisches Bier. Als wir dort ankommen, sitzen ein paar wenige Menschen am Tresen, der Rest des Lokales liegt im Dunkeln und kühl ist es auch. Wir nehmen an einem Tisch Platz und beschließen, auch hier zu essen. Der Wirt macht Licht und die Heizung an und kurz drauf füllt sich das Lokal mit verkleideten Menschen jeden Alters, die offensichtlich von der örtlichen Karnevalsveranstaltung kommen und alle auch noch essen wollen. Zum Glück hatten wir schon bestellt! Einen rießen Lärm, aber nur über den Fernseher, der eine Comicsendung, wohl für die Kinder zeigt und ansonsten reden ALLE durcheinander. Typische Karnevalsmusik, so wie bei uns, gibt es nicht. Uns fällt auf, dass die Kinder, egal welchen Alters, auch im Hochstuhl, alle an einen Tisch gesetzt werden, dort ihr Essen bekommen und die Erwachsenen an einem anderen Tisch sitzen und die Kids eben essen, wie und was sie essen oder eben nicht. Nur ein Elternpaar meint, Essen in ihre Kinder reinschaufeln zu müssen.
Wir verstehen nichts, denn sie sprechen tatsächlich alle katalonisch. Wir haben auch von Leuten gehört, dass es mittlerweile Bescheide der Behörde manchmal nur noch auf katalonisch gibt, statt wie früher in beiden Sprachen. Das ist für Menschen, die nur spanisch sprechen, ein echtes Problem.
So können wir leider auch den kleinen Ritter nicht verstehen, der sich als einziger an unseren Tisch traut. Also sitzen wir verkleidet als deutsche Touristen, mitten in diesem tohuwabohu und finden es super!
Da wir mitten in einem Wandergebiet stehen und am nächsten Tag die Sonne scheint, wollen wir eine kleine Tour machen. Aber erst finden wir den Weg nicht und dann ist der Weg vom Fluss überspült. So sind wir nach einer Stunde zurück am Womo und beschließen, weiter zu fahren. Unterwegs begegnen uns immer wieder Carnevalswagen, es scheint auch tagsüber Umzüge zu geben.
Eckhard will unbedingt mal Lloret de Mar sehen, ausgerechnet! In Blanes, ein Ort davor, geraten wir sogar noch in den sich auflösenden Umzug, so haben wir auch das noch erlebt. Und dank unser StellplatzApp finden wir mitten in Lloret de Mar ein ruhiges Plätzchen, unglaublich. Nur von ganz fern hört man ab und zu ein paar Feiernde.
Montag sind wir dann über die Grenze nach Frankreich. Noch ein Tag schönes Wetter, den wir aber leider komplett im Auto verbracht haben. Und wie eingangs erwähnt, sind wir jetzt im Winter gelandet.
Mittlerweile stehen wir in Montbéliard, es stürmt und regnet. Morgen werden wir noch Freunde, die wir unterwegs kennengelernt hatten, im hessischen Reinheim besuchen und dann gehts Samstag nach Friedberg.
Mittlerweile sind wir schon den dritten Tag in Castell de Ferro, wir hatten hier auf dem Campingplatz Anfang Dezember unsere deutsche Gasflasche stehen lassen. Von der Fähre aus sind wir bis hierher durchgefahren. Wie sich einige schon gedacht hatten, fiel uns der Abschied aus Marokko nicht leicht. Dazu haben wir mal eine Liste gemacht, was wir vermissen werden:
Allem voran ist es die Herz- und Freundlichkeit der Menschen. Als deutscher Tourist hat man dort einen besonderen Stand (ich bin mir nicht sicher, ob es den Franzosen auch so geht, weiß es aber nicht). Vieles in der marokkanischen Kultur dient dem Kontakt, auch das Handeln. Das ist für uns erst mal sehr fremd, denn unsere Denke ist, wenn ich weniger bekomme, dann habe ich einen “Verlust”. Aber kein Marokkaner erwartet, dass er den erst genannten Preis bekommt. Es geht um die Interaktion miteinander, nicht um Übervorteilen.
Den Muezzin! Auch wenn es kaum vorstellbar war, aber wir haben uns so daran gewöhnt, den Tagesablauf zu “hören”, es war eine Orientierung im Tag und auch immer ein kurzes Innehalten.
Das Verhalten im Straßenverkehr. Es gibt viel weniger Regeln, dafür hat jeder jeden im Blick. Man merkt es, vor allem an den Kreisverkehren. Aus unserer westlichen Sicht ein totales Chaos, jeder fährt, wie er will. Nach einer Weile aber merkt man, dass sie sehr umsichtig fahren. Es ist mehr Miteinander statt Gegeneinander. Zebrastreifen zum Beispiel haben gar keine Bedeutung, zumindest haben wir keine erkannt. Es hält kein Auto an, wenn du davor stehen bleibst. Es fährt dich aber auch keiner um, wenn du einfach losläufst. Ampeln gibt es ganz wenige, und sie dienen nur der groben Orientierung, außer ein Verkehrspolizist ist in der Nähe, dann werden alle ganz genau. Und nicht zu vergessen, es gibt VIEL weniger Autos als in Europa.
Überall gibt es frisches Obst und Gemüse zu kaufen, am Straßenrand und natürlich auf den Märkten, die immer irgendwo sind. Und das zu sehr niedrigen Preisen. Die Stände sind eine Augenweide. Die Händler türmen die Ware sehr kunstvoll.
Daran schließt sich ihr Sinn für die Schönheit im Detail an, kunstvolle Mosaike, Schnitzereien.
Es gibt keine Parkautomaten, dafür immer einen Parkplatzwächter, der für die Dirhams, die man ihm gibt,beim Einparken hilft und auch aufpasst, wir konnten unser Womo immer guten Gewissens in den Städten stehen lassen.
Der Kontakt, den ich als Frau auf der Straße zu anderen Frauen hatte. Ich habe immer ein offenes Lächeln zurück bekommen, manchmal auch ein kurzes Grüßen mit der Hand, bis hin zu Handküssen, wenn wir mit dem Auto übers Land gefahren sind. Dort winken und grüßen alle, Kinder Frauen, Männer. Wenige machen ein Handzeichen zum Betteln. Leider haben wir keine Familie persönlich kennengelernt.
Die Vielfalt der Kleidung der Männer, verschiedenste Gewänder, Kopfbedeckungen, Farben. Die Frauen sind auch bunt und unterschiedlich gekleidet, aber auch in Europa gibt es die unterschiedlichsten Kleidungen für Frauen, weniger für Männer.
Es ist eben alles bunter, vom Straßenverkehr angefangen über die Kleidung bis hin zu den Märkten und Medinas
last but not least, die Netzabdeckung! Bis auf wenige Ausnahmen gibt es überall super Empfang
Es gibt aber auch Dinge, die wir nicht vermissen werden:
Der Müll am Straßenrand und seine willkürliche Verbrennung
die vielen halbwilden kläffenden Hunde
die Schlaglöcher auf den Straßen
der Viehgestank
manchmal gab es aufdringliche Bettler
die vielen Männer, die keine oder sehr kaputte Zähne haben (für mich als Zahntechnikerin kaum zum aushalten;-)
Die Listen sind sicher nicht vollständig, aber es hat uns einfach saugut gefallen. Vieles hat sich erfüllt, es war warm, wir brauchten keine Heizung, und selten war es zu heiß. Was nicht funktioniert hat, ist die Art zu arbeiten, wie Eckhard es versucht hat. An dem Thema sind wir dran, dazu wird uns in den nächsten Tagen auf der Rückfahrt noch was einfallen, denn unser Leben geht im Wohnmobil erst mal weiter.
Fahren wir durch das Rif-Gebirge über Chefchauon nach Tanger oder am Atlantik hoch nach Norden? Wir entscheiden uns für letzteres. Zum Abschied gibt es in Fes noch ein Stadttor und eine witzige Ampel zu fotografieren
und dann geht es über eine bizarre Hügellandschaft hinein in das grüne, fruchtbare Nordmarokko. Hier wachsen all die Erdbeeren, die es in Deutschland im Winter schon gibt, aber Geschmack haben sie auch hier nicht.
Rabat hat leider keinen Campingplatz, daher entscheiden wir uns für Kenitra. Dort gibt es zwei, aber der günstigere liegt mitten in der Industriestadt, also fahren wir raus an die Küste zu dem teuersten Platz, den wir bisher hatten. Der Campingplatzführer verspricht dafür saubere heiße Duschen. Normalerweise duschen wir “zu Hause”, was in Marokko auch ein großer Vorteil ist, denn die Sanitäranlagen sind so “naja”. Aber mal mit richtig Platz unter der Brause mit heißem Wasser, das hat schon was. Dementsprechend gibt es auf dem Campingplatz viel Beton und wenig Flair.
Vor wenigen Tagen haben wir festgestellt, dass an dem Einstieg in das Womo etwas kaputt geht. Leider waren wir zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr an Orten, an denen die Reparateure auf die Stellplätze kommen. So frage ich in einem Marokko-Wohnmobil-Forum im Internet, ob jemand auch solche Dienste nördlich des Atlas kennt. Es kannte aber nur jemand jemand anderes, der vielleicht jemanden wüsste. (Ich kenn ene der ene kennt der sät da jeht noh jet – Kölle Alaaf!) Aber diejenige hatte keine Kontaktdaten, aber eine weitere Person hatte diese. So schreibe ich einen mir unbekannten deutschen Mann, der in Marokko lebt, per Mail an und schildere ihm meine Suche. Kurz drauf habe ich schon Antwort: der deutsch-marokkanische Sohn seines Freundes sei gerade zufällig bei Verwandten in Kenitra, er hätte ihn gerade mal angerufen und wir sollen uns bei Salim, so heißt der junge Mann, melden. Ah, deswegen hatten wir am Vorabend die Telefonkarte mit Telefon- statts mit Datenguthaben aufgeladen und können einfach innerhalb Marokkos telefonieren. Wir erreichen ihn direkt und kurze Zeit später ist Salim, auch schon da. Er gehört offensichtlich zu einer wohlhabenden Familie, das lässt sich aus seiner Kleidung und dem Auto schließen. Sein Vater und er handeln mit Edelsteinen, wie wir später erfahren. Salim macht ein Foto des Schadens und sagt, dass er uns morgen früh abholen kommt und zu einer Werkstatt begleitet. Ich bin total berührt von dieser Art von Vernetzung und Gemeinschaft! Der einzige Haken – wir müssen früh aufstehen, denn es ist Freitag. Freitags ist großes Gebet und viele arbeiten nur halbtags oder haben eine lange Pause über die Zeit des Gebets. Im frühmorgendlichen Nebel fahren wir hinter Salim durch den Berufsverkehr. Den haben wir bisher auch noch nicht erlebt. Im Süden des Landes gibt es das nicht und außerdem sind wir um diese Uhrzeit selbst auch nicht auf der Straße.
Mit Salims Hilfe erklären wir dem Mechaniker, was wir wollen und sind uns auch schnell handelseinig, nur soll es bis 16 Uhr dauern. Die Werkstatt liegt am Stadtrand und es gibt keine Aufenthaltsmöglichkeit, außer das Womo selbst, also müssen wir im Fahrerhaus sitzen und hinten wird an der Tür gearbeitet. Salim fährt kurz weg, ist aber später wieder da, was super ist, denn die Menschen in der Werkstatt sprechen nur marokkanisch. Nach drei Stunden ist die Stelle schon repariert und sie fragen, ob sie noch etwas machen können. So lassen wir einen kleineren Schaden an einer Klappe auch noch reparieren, ist im Preis inbegriffen. Wir wissen gar nicht, wie wir uns bei Salim dafür erkenntlich zeigen können, das sprechen wir an und für ihn ist das alles in Ehrensache. Dankbar für soviel Unterstützung fahren wir weiter.
Kurz überlegen wir, ob wir noch mal nach Moulay Bousselham fahren, das war unsere erste Station in Marokko, um zu erleben, wie es uns jetzt nach all den Erfahrungen dort gefällt, aber unsere Neugier ist größer, so fahren wir nach Asilah. Sehr unterschiedliche Erlebnisse prägen den Aufenthalt. Die erste Nacht verbringen wir auf einem Parkplatz am Hafen, angeblich sehr ruhig nach 21 Uhr, wenn das Hafentor geschlossen wird. Doch weit gefehlt, die Hafenkneipe macht bis weit nach Mitternacht Lärm. Uns fällt uns an diesem Ort auf, wie viele Obdachlose es gibt. Wir haben auch viele Bettler und Bettlerinnen in anderen Städten gesehen, aber hier ist es anders. Sie wirken kaputter und ich vermute, es liegt daran, dass es hier wohl auch leichter Alkohol zu besorgen gibt bzw. Der Parkplatzwächter fragt uns direkt danach. Das hatten wir bis jetzt noch nicht. Gelesen hatte ich davon, in Tafraoute gab es auch Camper, die damit gehandelt haben. (Es gibt Einige, die palettenweise Dosenbier mit sich führen als Bakshish)
Ein Fischer kommt an unser Auto, der sehr gut Englisch spricht, er war mit einer Frau aus Liverpool verheiratet. Der Kontakt ist angenehm und wir bestellen einen Fisch für den übernächsten Tag in der Hoffnung, dass Eckhards Verdauung bis dahin sich stabilisiert hat. Er laboriert mit Durchfall, was ihn auch schwächt und seine Kondition beeinträchtigt.
Als wir uns am nächsten Morgen den örtlichen Campingplatz ansehen, fahren wir nach ein paar Minuten wieder runter, er ist ranzig und schlampig. Nicht das andere Plätze in Marokko die Ausgeburt von Sauberkeit sind, aber der hier ist einfach nur schäbig, und angeblich ist es der bessere der beiden.
Jetzt müssen wir nur den Fischer wieder finden und unseren Fisch für Sonntag abbestellen. Wir parken in einer Seitenstraße und machen dann einen Spaziergang in den Ort. Dabei entdecken wir die wirklich schönen Seiten von Asilah, denn hier gibt es Kunst und Künstler.
Hier noch die neuste Mode, und beachtet auch die Maße der Schaufensterpuppen!
Auch sind heute die Restaurantbesitzer nicht so penetrant wie am Tag zu vor und wir gehen in ein Imbiss/Restaurant. Für mich gibts Gambas, für Eckhard nur Tee….
Am Nebentisch nehmen ein Mann und zwei vollverschleierte Frauen Platz. Ich weiß mittlerweile, das ich als Frau leicht Kontakt auch zu Frauen mit Schleiern machen kann und so bin ich neugierig, wie sie die Gambas pulen. Wenn ich nicht selbst schon so viele hätte, könnte ich bei ihnen mitessen! Und wie essen sie eigentlich mit dem Schleier? Da man hier sowieso meisst mit Händen isst, heben sie ihn geschickt mit einer Hand kurz zur Seite und mit der anderen schieben sie sich das Essen in den Mund!
Kurz bevor wir wieder losfahren treffen wir auch unseren Fischer – alles gut.
In Tanger angekommen erwartet uns ein ganz anderes Erlebnis, von dem wir auch schon gehört hatten. An der ersten roten Ampel versucht ein Mann unter unser Auto zu kommen. Es ist ein Fluchtversuch nach Europa, wir haben von Menschen auf LKW-Achsen gehört, und auch, dass sie versuchen, mit Wohnmobilen rüber zu kommen. Daher auch der Tipp, zwischen Tanger und Tanger-Med, dem Fährhafen möglichst nicht mehr anzuhalten. Es hinterlässt ein beklemmendes Gefühl, denn es ist schier unmöglich, auf diese Art zu fliehen, denn JEDES Wohnmobil wird bei der Ausreise geröntgt.
Hier sieht man noch seinen Händeabruck
Der Campingplatz liegt ganz malerisch, hat aber ein Salle de Fete und es ist Samstagabend! Aber um Punkt 24 Uhr ist die Musik aus und die Nacht ziemlich ruhig.
Großartige Spaziergänge kann Eckhard nicht machen und von daher entscheiden wir uns, noch mal einkaufen zu gehen, Gemüse und Tee, und das Wohnmobil reisefertig machen zu lassen, der Dreck von tausenden Kilometern soll runter und hier werden Autos mit Sorgfalt von Hand geputzt. Gerade sitzen wir an einer Tankstelle und warten, dass es fertig ist. Morgen geht es dann auf die Fähre – dort ist dann Zeit für ein Resumee.
Den Verwalter des Permaḱulturprojektes haben wir leider nicht mehr getroffen, so dass wir nach zwei Nächten dort weiter nach Fès fahren. Mit googlemaps erlebt man echt lustige Sachen. Die Routenführung schickt uns eine Straße entlang, auf der die Gullydeckel in der Mitte der Straße alle fehlen. Immerhin haben nette Menschen das mit großen Steinen oder Säcken gekennzeichnet, sonst holt man sich hier auch mal schnell einen Achsbruch. Aus dem Stellplatzführer wussten wir schon, dass es in Fès leider nicht einen so ruhigen Parkplatz in der Stadt gibt, wie wir ihn in Meknès hatten, aber alle anderen sind weiter draußen und so beschließen wir, dass das für eine Nacht schon gehen wird. Vom Straßenlärm her gesehen geht es auch, aber dass mitten in der Stadt SOVIELE streunende Hunde sind, haben wir nicht erwartet. Die schlafen den ganzen Tag und nachts werden sie aktiv.
Auch hier sind wir nicht wirklich in Sightseeing-Laune und von daher suchen wir ein Teppichgeschäft, dass auf Tripadvisor gute Bewertungen hat (ich weiß, ich weiß, dass man diesen Bewertungen auch nicht glauben soll!) Aber da wir schon einige Geschäfte in anderen Städten durch haben, fühlen wir uns schon etwas sicherer in der Auswahl.
Die Medina in Fes ist die größte und verwinkelste in Marokko und googlemaps funktioniert an vielen Stellen gar nicht. Einige sagen, ohne einen Stadtführer schafft man es nicht, und es gibt entsprechend viele selbsternannte Führer, mit denen man dann in ihren Geschäften landet. Angesprochen werden wir aber nur von den Kellnern der vielen Restaurants. In einer engen Gasse sprechen wir dann einen jungen Mann an, der uns aber scheinbar missversteht, denn er führt uns wieder raus zu dem großen Tor! Immerhin will er dafür kein Geld.
Innerhalb der Medinas haben wir miteinander immer ein wenig Stress. Durch den Lärm hört Eckhard mich schlecht und ich spreche dann auch noch weiter, wenn ich schon wieder in den nächsten Shop schaue, statt in seine Richtung. Komisch, er wird dann ganz schnell sauer 😉
Aber irgendwann finden wir den Laden unserer Wahl. Da wir sehr genau wissen, was wir wollen, sparen wir uns die allgemeine Einführung in die Art der Teppiche und landen direkt in einem kleineren Verkaufsraum, denn wir wollen ja auch nur einen kleinen Teppich, einen Berberteppich, Beni Ourani, den ich gerne Lara mitbringen will. Sie weiß davon und von daher schicken wir ihr Fotos, da die Muster und Farben doch sehr unterschiedlich sind. Das dauert dann immer eine Weile, bis die Bilder durch sind, wir bekommen Tee und der Verkäufer geht auch erst mal beten.
Die Welt des Internets ist schon faszinierend: da sitzen wir mitten in Fes im Teppichladen und Lara in Deutschland, wir schicken Fotos und Nachrichten hin und her und einigen uns dann auf ein Exemplar! Jetzt aber kommt ja erst der eigentliche Teil, das HANDELN. Was wir schon gelernt hatten: NIE zuerst die eigene Preisvorstellung sagen, erst muss der Händler seinen Preis nennen, der mindestens doppelt so hoch sein wird, wie das, was man bezahlen will/kann.
Er fängt mit 3800 Dirham an ( der Einfachheit rechnet man durch 10, der Kurs ist aber zur Zeit bei etwas mehr als 9€, so ist man auf der sicheren Seite bei der Umrechnung). Wir machen erschrockene Gesichter, das gehört dazu. Das ist VIEL mehr, als wir ausgeben wollen, unsere Preisvorstellung liegt bei 100 Euro ungefähr. So fragen wir, welchen Teppich wir denn für 1000 Dirham bekommen würden. Darauf packt er alle Teppiche zusammen und wir sollen mitkommen. Jetzt geht es durch eine enge Seitengasse in das Lager des Händlers. Dort breitet er die letzten fünf Teppiche wieder aus und wir fragen, welcher denn der für 1000 Dirham sei. Großes Lamentieren seinerseits, sein Vater würde ihn an den Ohren rausschmeißen und er dürfte nicht mehr nach Hause zurück kommen. Für das von uns ausgewählte Stück ist sein Preis jetzt bei 2700. Wir erhöhen auf 1100. Bis zu diesem Zeitpunkt hat ausschließlich Eckhard das Gespräch geführt. Ich schalte mich ein, da die eine Ecke des Teppichs nicht rechtwinklig ist. Das führt beim Händler zur Belustigung, dass sei in Deutschland wichtig, aber wir sind in Marokko. Trotzdem geht er auf 2200 runter und ich auf 1200 rauf, dass sei nun wirklich unser letztes Angebot. Um diesen Preis durchzusetzen, hätten wir wahrscheinlich jetzt aufstehen müssen und gehen, haben wir aber nicht. Er ist mittlerweile bei 1800, ich bei 1300. Zu dem Zeitpunkt ist klar, wir werden uns einig und der Händler und ich werfen uns die Zahlen zu, er sehr theatralisch, nach jedem Angebot dreht er sich erstmal um. Dann habe ich verpasst, einen 50Dirham-Schritt einzubauen, und so landen wir dann bei 1500 und schlagen ein. Noch ein bisschen Gejammer auf beiden Seiten, wir, dass wir jetzt kein Geld mehr haben und er, dass er so wenig verdient hat – gehört dazu.
Mit etwas mehr Verhandlungsgeschick hätte ich wahrscheinlich noch 100 Dirham rausschlagen können, das beschäftigt mich noch einen Moment, aber letztendlich bin ich zufrieden, denn ich bin doch weit unter der Hälfte des Anfangspreises gelandet. Wir machen uns auf zu den Ledergerbereien. Google ist ausnahmsweise gerade zuverlässig und so sind wir schon ein ganzes Stück weit eingedrungen in das Labyrinth der Gassen, als uns ein kleiner Junge, höchstens acht Jahre, anspricht. Wir verstehen in kaum, er will jedenfalls wissen, wo wir hin wollen. Er läuft ein paar Meter neben uns her, bis ein etwas älterer, vielleicht 11 Jahre, ihn aufhält. Wir gehen weiter und zwei Ecken später treffen wir auf einen Jugendlichen, der relativ gut Englisch spricht und uns gerne zu den Gerbereien begleiten will. Da die Gassen immer enger werden, manchmal nur niedrige Durchgänge sind, bleibt uns letztendlich nicht viel anderes übrig, als ihm zu folgen. Und ZUFÄLLIG gehört seinem Vater auch eines der Ledergeschäfte, von deren Dachterrassen man die Männer bei der Arbeit sehen kann. Sie gerben und färben die Häute noch nach ganz alter Tradition, mit Taubenschiss für den Ammoniak und in die großen gemauerten Bottichen mit den Farben steigen die Männer hinein und treten die Häute, bis sie die gewünschte Farbe haben. Mittlerweile tragen sie wenigstens Gummilatzhosen, das war wohl vor ein paar Jahren nicht der Fall. Auf meine Frage, was denn ein Arbeiter verdient, antwortet mir der Händler, dass es abhängig vom Umsatz ist, den sie mit dem Verkauf machen. Ob das stimmt oder es der Versuch ist, mich über Mitleid doch zum Kauf einer Tasche oder Lederjacke zu animieren, weiß ich nicht. Wir hatten von Anfang an gesagt, dass wir nichts kaufen werden – no problem. Trotzdem werden wir natürlich durch alle Verkaufsräume geführt. Aber wir bleiben bei unserem Nein und der Sohn führt uns wieder zurück zur „Hauptstraße“. Dass wir ihm ein Trinkgeld geben – darauf hatten wir uns schon verständigt. Eckhard gibt ihm 10 Dirham, das findet er eine Beleidigung und verlangt 100! Mit 25 ist er dann aber auch zufrieden. Wir schlendern zurück, also ICH schlendere und Eckhard wartet netterweise immer auf mich, erstehen noch ein weiteres Souvenir und ein paar Dinge fürs Abendessen. Bevor wir schlafen gehen, macht Eckhard den Hunden noch ein strenge Ansage, was tatsächlich für den Moment wirkt, aber in der Nacht geht das Gekläffe weiter.
Morgens gönnen wir und ein authentisches Frühstück unter Einheimischen. Wir sind die einzigen Touristen und die Verkäufer sprechen kein Wort französisch. Aber wir haben eine Art Pfannkuchen mit Mandelmus, Joghurt, ein „Brötchen“ mit Wurst und Käse und zwei große Gläser Orangensaft und einen Milchkaffee, lecker, für 50 Dirham! Den Verkäufer freut es und uns auch! Das ist die Art Marokko, die uns so gut gefällt. Als wir mit unserem Womo, das ein paar Meter weiter hinten in der Straße stand, an dem Laden vorbei fahren, werden wir noch fröhlich winkend verabschiedet.
Nach zwei Tagen machen wir uns mit dem Womo auf nach Meknès. Wir wollen mal einen “richtigen” Touristentag machen, so mit Sehenswürdigkeiten und so. Aber das Mausoleum von Moulay Ismail ist wegen Renovierung geschlossen. Also auf zum Tor Bab Mansour. Aber wo ist das? Wir laufen erst mal dran vorbei, weil wir zur falschen Seite schauen, auf den Platz mit den Gauklern, den es dort auch gibt. Aber dann sehen wir es doch:
Das „falsche“Das „richtige“
Ehrlich, auf den Bildern wirkt es viel monumentaler als in Wirklichkeit. Naja, wir gehen erstmal einen Tee bzw. Kaffee trinken auf einer der Dachterrassen und schauen uns alles von oben an. Es ist früher nachmittag und noch nicht viel los. Auf dem Platz fährt ein Bettler im Rollstuhl und trägt eine Jacke von dhl.
Es gibt interessante Essenstände, die ihr Feuer schon angefacht hatten und dort nehmen wir einen Imbiss.
Die Idee mit den historischen Sehenswürdigkeiten streichen wir kurzerhand und entscheiden uns für eine “Shoppingtour” durch den Souk, ich will noch mal zu einem Gewürzhändler und noch Geschenke einkaufen. Es dauert, bis wir uns zu dem historischen Teil des Marktes durchgekämpft haben, die Straßen und Wege sind vollgestopft mit billigem Klamottenkram. Irgendjemand muss den jungen Marokkanerinnen gesagt haben, das es total angesagt ist, in rosa Schlafanzügen mit Micky-Maus-Aufdruck und Plüsch-Hausschuhen herum zulaufen, am besten noch ein Bademantel mit Ohren drüber. Wirklich, wir haben schon viele gesehen! Und eben dieses Zeugs gibt es auf dem Markt zu kaufen.
Aber dann werden wir fündig und ich erstehe allerfeinste Gewürze für meinen Kuchen. Wir können uns fast nur mit Händen und Füssen verständigen, aber am Ende besteht er darauf, dass wir Fotos machen.
Wir laufen weiter durch die Handwerksgassen und da unser Wohnmobil in der Stadt steht, können wir auch bleiben, als es schon dunkel wird. Durch die Medina, dort werden die reichlich verzierten und bestickten Gewänder hergestellt und es gibt unglaubliche Läden mit Garn.
Erschöpft landen wir im Auto, stehen mitten in der Stadt und es ist wunderbar still ab Mitternacht.
Inzwischen stehen wir zwei Tage auf einem Bauernhof zwischen Meknès und Fès. Lauter junge Leute, die hier work and travel machen. Der Besitzer ist leider nicht da und auch der Verwalter kam erst heute abend hier an. Mal sehen, ob wir morgen hier noch bleiben oder doch schon nach Fès fahren.
In etwa einer Woche wollen wir auf der Fähre sein. Jetzt geht tages-genaue Planung los. Da kommt ein Gefühl von “Ende” auf. Aber wovon? Unser Leben geht (erst mal) so weiter – im Wohnmobil. Nur unsere Zeit in Marokko geht zu Ende. Wir werden die Tage hier noch genießen!
Auf dem Weg zur Autobahn müssen wir wieder über den breiten “Fluss”, gestern sind wir dazu über eine Brücke gefahren, dass wir diesmal hindurch fahren, wussten wir vorher nicht. So sieht das dann aus:
Die Wasserknappheit in Marokko ist so stark, dass in Marrakesch einige Stadtteile schon seit letztem Jahr durch Tankwagen versorgt werden müssen.
Der Atlas hat etwas mehr Schnee als auf der Hinfahrt, aber deutlich “zu wenig”.
Auf halber Strecke wechseln wir, ich fahre zum ersten Mal in Marokko, und dann auch noch nach Marakkesch rein!
Bei Schatzens werden wir herzlich empfangen. Innerhalb eines Monats hat sich der Platz schon stark verändert: es blühen Rosen und durch die Wärme spielt sich vielmehr Leben jetzt auch draußen ab. Auch hier sind es tagsüber 28 Grad.
Nur leider tut das Internet hier immer noch nicht richtig. So ist unser Fokus ,die notwendigen Arbeiten am Auto. Der Haus und Hof Mechaniker wechselt den Öl- und den Luftfilter. Dabei kippt er kurzerhand das restliche Diesel in die Botanik, was in unserem westlichen Umweltbewusstsein eine mittlere Krise auslöst. Genauso wie die immer währenden schwarzen Rauchsäulen im Land, wo offensichtlich der Müll verbrannt wird.
Mit einer jungen Frau aus Lüneburg, die am Bundesumweltamt arbeitet, habe ich ein interessantes Gespräch über die Unterschiede von Marokko und Deutschland, denn unsere Müllsortierung funktioniert ja auch nicht wirklich, außerdem verbrauchen wir immer mehr Plastikverpackung. Aber vor allem sprechen wir über die Arbeits- und Lebensweise der Marokkaner. Am Abend vorher hatte Reinhard Schatz beim der allabendlichen Teezeremonie über den Bau seines Hauses erzählt und wie es ist, mit Marokkanern zu arbeiten, das es nicht einfach ist, zuverlässige Leute zu bekommen.
Man kann den westlichen Arbeitstil und das Leben hier nicht wirklich vergleichen, es ist so anders. Interessant finde ich, dass die statistische Lebenserwartung fast gleich ist zu unserer. Zurück zu dem Mechaniker. Beim Auswechseln der Filter hat er gesehen, dass eine Gumipumpe einen kleinen Riss hat und auch gewechselt werden sollte. Die hatte er aber nicht dabei. Er wusste aber, dass wir an dem Tag noch weiter fahren wollen und so hat er kurzerhand die aus seinem Auto mit unserer getauscht, damit wir los kommen. Zum Abschied gabs dann noch Tomaten aus seinem Garten geschenkt.
So machen wir uns am späteren Vormittag auf in Richtung Meknès, über die Landstraße, wofür wir zwei Tage brauchen werden. Einige Kilometer hinter Marakkesch verändert sich die Landschaft, es wird grün! Sogar die Kreisel haben grün in der Mitte. Der Frühling ist hier im vollen Gange.
Und auf den Bergen kann man auch noch etwas Schnee sehen.
Auf dieser Strecke gibt es keine Campingplätze, aber an einem Restaurant an der Straße kann man laut einem Onlineportal für Wohnmobilfahrer übernachten. Das Restaurant macht einen merkwürdigen Eindruck, aber sie haben einen Praktikanten aus der nächsten größeren Stadt, der sehr gut Englisch spricht und sich für das Chaos entschuldigt. Es ist sehr interessant, wie er spricht, denn er spricht so, wie er auch arabisch sprechen würde, vermuten wir. Mit vielen Segens und guten Wünschen, und dass er alles für uns tun würde. Nach etwas hin und her und auch noch einem Telefonat mit einer Mitarbeiterin, die irgendwo unterwegs ist, entscheiden wir uns doch lieber für Brot mit Avocado und Tomate im Wohnmobil.
Eigentlich ist hier auf den Straßen nachts kein Verkehr, von daher sollte spätestens Mitternacht Ruhe einkehren. Weit gefehlt, die ganze Nacht fahren vorwiegend LKWs und unser Womo steht direkt an der Straße, durch den Luftzug wackelt es auch noch. Aber auch diese Nacht geht vorbei.
Wir fahren weiter über eine große Hochebene und uns kommen viele Schafstransporter entgegen. Viele Kurven, die Schafe wackeln hin und her!
In einem zentralen Ort ist ein großer Markt,
und davor und dahinter gibt es an Kreuzungen “park&ride”,also park deinen Esel, fahr mit dem Auto:
Unser Campingplatz liegt nördlich von Meknès, gerade sind wir von 1500m runter gefahren, da geht es auch schon wieder bergauf. Der Platz liegt etwas außerhalb, der nächste Ort ca. 2 km steil bergauf. Aber nach dem wir den ganzen Tag im Auto gesessen haben, tut Bewegung gut und wir haben fast kein Gemüse mehr. Der Ort ist klein, die Straßen nicht geteert und in der Verkaufsstraße riecht es streng, denn JEDER, wirklich jeder, egal was es sonst noch im Angebot gibt, verkauft Hühner und Schafe, die alle noch leben (und scheißen) und in kleinen Ställen eingeengt stehen. Schnell durch und hintenrum durch den Ort zurück. Was aber auch nicht viel besser ist, denn dort laufen die ungeklärten Abwässer. Aber einen schicken Fußballplatz haben sie. Puh, auch das ist Marokko!
Tafraoute hat drei Campingplätze und nochmal drei sehr große „freie“ Stellplätze. Der Ort selbst hat 7000 Einwohner und jetzt Ende Januar kommen hunderte Wohnmobilisten, wirklich HUNDERTE dazu. Entsprechend hat sich der kleine Ort darauf eingestellt: mehrere Teppichhändler, unzählige Reparaturwerkstätten für Wohnmobile, und das übliche Programm von Händlern für Markisen, Solaranlagen und Scheibenwischern.
Wir beschließen, uns einen Platz nach dem anderen anzuschauen. Die offiziellen haben, wie immer, eine Mauer drumherum, und im Vergleich zu den großen, freien Plätzen wirkt das doch sehr eingeengt. Mitten auf einem dieser freien Plätze treffen wir Andrea und Paul aus England, neben ihnen standen wir schon in Sidi Ifni. Sie parken an einer Feuerstelle und laden uns ein, auch dort zu bleiben, es kommt später auch noch ein Freund von ihnen, ein Holländer.
Unser Nachmittagsspaziergang führt uns ins Städtchen. Wie gesagt, der Ort lebt vom Tourismus und entsprechend clever machen sie ihre Geschäftsanbahnung. Als wir Mittag gegessen hatten vor unserem Womo kam ein Berber auf dem Moped vorbeigefahren und wünschte uns einen Guten Appetit, er spricht deutsch. Und just genau diesen Mann treffen wir „zufällig“ in der Stadt wieder und über den Wiedererkennungseffekt hat er uns sofort in ein persönliches Gespräch verwickelt. Wir bekommen eine kleine Führung durch den Ort, was man wo gut kaufen oder essen kann und landen in – na klar, seinem Teppich- und Antiquitätengeschäft. Nur schauen, das kostet ja nichts. Zum Glück haben wir ja keine Wohnung, und im Lager sowieso schon geerbte Teppiche, denn diese bunten marokkanischen , die ganz anders aussehen als Orientteppiche, gefallen mir gut. Aber – kein Platz! Und einen kleinen hellen Berber, den ich Lara mitbringen möchte, hat er nicht. So sind wir ohne Tee auch schnell wieder aus dem Laden.
Abends sitzen wir am Lagerfeuer mit den Briten und genießen den Sternenhimmel. Wir hatten schon mitbekommen, dass Paul ein totaler Brexit-Fan ist, sein Wohnmobil heißt Boris! Und so nutzen wir die Gelegenheit, mal zu hören, was er sich davon verspricht – eine Übung im urteilsfreien Zuhören und nicht zu argumentieren. („die spinnen, die Briten“)
Der allabendliche Blick aus unserem Womo
Die Tagestemperaturen sind mittlerweile bei über 30 Grad, zu warm für die Jahreszeit. Und das ganze bei einer Lufttemperatur von 15%, da trocknet man förmlich aus. Viel Wasser, viel Creme, Lippenbalsam und Nasendusche helfen.
Mit dem Fahrrad fahren wir Freitag zu den blauen Steinen, 7km weit und 350m hoch, das aber schön gleichmäßig. Ein belgischer Künstler hat in den 80iger Jahren einige der großen Granitblöcke, die hier zu hauf rumliegen, mit blauer Farbe angemalt und die Einwohner erneuern ab und an die Farbe.
Samstag geht uns langsam der Strom aus, aber es gibt im Ort eine Versorgungstation, dort können wir die Batterie wieder aufladen und kaufen derweil fürs Abendessen ein – es gibt Pizza aus der Tajjine.
Da hatten wir schonmal in der Oase geübt
Ich hatte zwar mit den anderen verabredet, dass wir den Abend nochmal am Lagerfeuer verbringen, dass für mich da auch ein gemeinsames Essen dazu gehört, aber nicht. So habe ich viel zu viel Teig und Tomatensoße gemacht – und dann eingefroren. Und mich geärgert, dass ich so ungenau kommuniziere. Der Abend wird dann aber doch noch ganz schön, und es kommen noch weitere Leute dazu, ein Paar aus Sydney, die sich in der Ukraine ein 19! Tonnen schweres Wohnmobil haben bauen lassen und damit auf Weltreise sind. Bevor wir Sonntag morgen weiter fahren, haben wir noch ein interessantes Gespräch mit den beiden- und ich bekomme einen ganz anderen Zugang zu den sozialen Medien, denn darüber sind all die Reisenden vernetzt, und laut Elizabeth gibt es Tipps und sie bekommen Einladungen in aller Welt. Ich werde meine Ablehnung gegenüber Facebook nochmal überdenken!
Am Ortsausgang fahren wir tanken und da die Tankstelle aussieht wie eine „richtige“, gehe ich davon aus, dass ich mit Karte zahlen kann. Falsche Annahme und genügend Bargeld haben wir nicht mehr. Der nächste Bankomat ist ein Stück entfernt – aber alles kein Problem, wir sollen einfach mit dem Wohnmobil Geld holen und wieder kommen, bedeutet uns der Tankwart, denn französisch spricht er nicht und vertraut uns, dass wir wieder kommen. Es sind diese warmen, menschlichen Gesten, die uns hier immer wieder begegnen und uns so gewinnen für dieses Land.
Für die Fahrt hole ich noch ein Berberbrot, dass auf heißen Steinen gebacken wird – und manchmal bleibt ein Stein drin stecken. Der Verkäufer will es rausnehmen, ich will es aber behalten, was ihn sichtlich freut und ich als Glücksbringer betrachte.
So fahren wir über die Berge, wieder mal eine unnamed Road und haben wieder Glück, sie ist gut befestigt. Unterwegs werfen uns Frauen Kusshände zu und die Kinder, denen wir Bleistifte schenken, tanzen vor Freude auf der Straße. Die Schafshüterin im Tal ruft uns ihr Willkommen während unserer Mittagspause über das Echo zu und die ersten Mandelbäume stehen in ihrer Blütenpracht.
Nur mit dem angedachten Campingplatz in Taurodant ist es nichts, denn es gibt keinen Internetempfang und der Montag soll Arbeitstag sein. Also auf zum nächsten. Hätten wir mal besser die große Straße genommen. Wir landen mitten in einem Viertel, in dem die Abwässer ungeklärt auf der Straße landen. Es stinkt fürchterlich, mittendrin spielen Kinder und zwei Jungs versuchen sich an unser Auto zu hängen. Erst als wir anhalten, hauen sie ab. Auch das kann einem hier passieren, ist aber nicht die Regel.
Das blöde ist, dass der nächste Campingplatz an einer gut befahrenen Straße liegt und Internetempfang ist auch nicht so prall. Wir entscheiden, wieder aus Taurodant weg zu fahren, der nächste CC liegt 25km Richtung Agadir, der MUSS dann passen.
Auch hier ist das Internet ganz schwach und als es dunkel ist, werden die Hühnerställe auf dem Nachbargrundstück geleert. Es stinkt grauenhaft. Also alle Fenster schnell zu, es sind ja NUR noch 28 Grad im Womo, kalt ist uns nicht. Damit ist klar, wir werden hier auch nicht bleiben, und beschließen. Montag nach Marrakesch zur Familie Schatz zu fahren.
Unsere Straßenkarte ist erstens nicht aktuell, und zweitens ist der Maßstab groß, so dass sie nicht wirklich eine Aussage über die Straßen macht, sie dient nur der groben Orientierung. Daher müssen wir auch immer googlemaps nutzen, aber dort bekommt man keine Infos über den Zustand der Straße. Einige Hauptverbindungsstraßen oder landschaftlich interessante Strecken finde ich schon mal in Marokko-Reise- Foren, aber eben nicht zu allen Strecken etwas. So gehen wir das Abenteuer ein, eine kleine, unbenannte Straße als Verbindung zu der eigentlichen Straße zu fahren, zu der wir wollen – sollte sie unbefestigt sein, können wir ja immer noch umdrehen. Zunächst heißt es, den Motor kräftig durchzupusten, was augenscheinlich hilft. Die kommende Tankstelle „gefällt“ Eckhard nicht, und unser Sprit sollte auch noch bis zu der nächsten, die google anzeigt, reichen. So biegen wir nach wenigen Kilometern von der N12 ab und siehe da, wir haben eine ziemlich gute Straße vor uns.
Die Landschaft, durch die wir jetzt fahren, treibt mir die Tränen in die Augen. Kahle, schroffe Berge, kaum Bewuchs. Ich weiß nicht, was mich daran so berührt, aber ich hatte dieses Erlebnis ja schon mal vom Flugzeug aus auf dem Weg nach Neuseeland, da war es wahrscheinlich auf der Höhe von Iran. Jedenfalls liebe ich diese Steinwüsten sehr.
Auch hier leben Menschen
Und alles geht gut, nach einer Stunde sind wir wieder auf einer R-Straße. Nur dass das nicht wirklich besser ist, denn hier haben wir immer wieder Gegenverkehr und der Asphalt ist nicht breit genug für zwei Fahrzeuge. Einige entgegenkommende Fahrer sind überhaupt nicht erfreut, wenn wir NICHT auf den unbefestigten Straßenrand fahren!
Als nächstes steht Tanken und Mittagspause auf dem Plan. Wir haben noch Sprit für ca. 100km im Tank. In einem sehr kleinen Ort nahe Icht, was auch nicht besonders groß ist, ist eine Tankstelle eingetragen. Aber auch beim zweiten umrunden des Blocks finden wir sie nicht. Also nachfragen. Nein, in diesem Ort gibt es keine und wo die nächste ist kann uns der Mensch auch nicht sagen. Laut google sind es 68km bis zur nächsten Tanke, aber darauf wollen wir uns nicht verlassen, also fragen wir die Polizisten, die ja überall Straßenkontrollen machen. Laut Eckhard sagt der Polizist, 15km wieder zurück. „Bist du ganz sicher, dass er das so gesagt hat?“ ist meine BERECHTIGTE Frage, denn mit den französischen Zahlen hat Eckhard es nicht so. „Ja, Ja, ganz sicher“. „Aber dann hätten wir doch an dieser vorbeifahren müssen?“ “ Sind wir auch, ich habe sie gesehen“, sagt Eckhard, „da wo das andere Wohnmobil stand.“ „Da war keine Tanke, da bin Ich mir sicher, und außerdem ist das viel weiter zurück als 15km.“
So zanken wir hin und her, und siehe da, nach genau 15km kommt eine Tankstelle, die wir beide nicht gesehen hatten. Es sind zwei Zapfsäulen und sonst nichts. Im Vergleich dazu, war die allererste, an der wir morgens wegen Nichtgefallen vorbei gefahren sind, eine mit Luxusausstattung! Zum Glück haben wir noch genügend Bargeld, denn mit Karte geht gar nichts.
Wir machen erst mal Mittagspause, entschuldigen uns beieinander für unser Angezicke und überlegen, wie wir jetzt weiterfahren. Eigentlich wollten wir weiter in Richtung Wüste, und dann weiter im Osten über den Anti-Atlas fahren. Aber Eckhard würde lieber jetzt schon mal testen, wie sich unser Auto bergauf verhält, und so beschließen wir, direkt Richtung Norden zu fahren bis nach Tafraoute. Diesmal ziehen wir vom Straßenzustand das ganz große Los. Eine niegelnagel Neue, ZWEIspurige Straße und wir sind fast alleine! Wir genießen den Ausblick und diese fantastische Landschaft.
wie es da wohl weiter geht?so!
15Km vor unserem eigentlichen Ziel gibt es in einer kleinen Ortschaft einen Campingplatz und wir beschließen, dort zu bleiben. Für zwei Tage haben wir den Platz ganz für uns alleine, Eckhard kuriert seine Erkältung aus, wir machen einen Spaziergang durchs Dorf.
Alles in Ordnung?! Durch diese hohle Gasse…Dorfschulen sind immer bunt!
Bis letzte Woche Mittwoch, 22.1., waren wir noch in Sidi Ifni. Bis dorthin hatten wir eine klare Vorstellung unsere Route. Jetzt ist die große Frage, wie geht es weiter? Erstmal den Regen abwarten, unser erster in Marokko. Der Campingplatz ist nicht wirklich schön, aber die Stadt hat eben ihren Reiz.
Der Blick aus dem Heck
Ich verfolge lose verschiedene blogs von “im wohnmobil-lebenden” Menschen, die den Winter immer in Marokko verbringen. Einer davon ist “kasteninblau”, sie fahren ungefähr die gleiche Route wie wir ( oder wir wie sie, genauer gesagt). Deren Lieblingsplatz ist eine Oase ca. 100 km von Sidi Ifni ins Landesinnere, am Fuß des Anti-Atlas. So sind wir Mittwoch dahin aufgebrochen. Die Landschaft verändert sich von der Küste innerhalb weniger Meter. Die Berge und dahinter die Steppe.
In meiner Vorstellung waren Oasen viel kleiner, ein runder Platz mit Palmen umstellt, hihi. Aber in echt sind die größer, zumindest die Oase Tighmert, mit mehreren kleineren “Siedlungen”, das heißt, ein paar “Häuser”, oft aus gestampftem Lehm, Felder, viele nicht bewirtschaftet und aber tatsächlich vielen Palmen. Es gibt drei Campingplätze, der erste, zwar ein schön angelegter Garten mit großen Palmen, aber zum einem ist hier auch Winter, das heißt, im Schatten ist es eher kühl, morgens richtig kalt. Und Ab Mittag brutzelt man in der Sonne – zum anderen eine Baustelle auf und eine neben dem Platz. Aber zum Glück gibt es ja noch weitere, und so stehen wir jetzt seit Freitag auf dem Campingplatz Oasis bei Hassan, der auch etwas deutsch spricht. Und jeden Abend gibt es den Fototapeten- Sonnenuntergang!
Am ersten Abend waren wir dann auch gleich bei der Familie zum Essen eingeladen, es gab gebratenen Sardinen und das obligatorische Fladenbrot, ohne das geht hier gar nichts. Es ist eben auch Besteckersatz, man isst mit den Fingern.
Samstag einkaufen in Guelmim auf dem Wochenmarkt, unsere Gemüse- und Obstbestände auffüllen.
Das Stadttor von Guelmim
Um die Mittagszeit rum sitzen viele Händler hinter ihren Ständen und essen aus der Tajine. So auch an einem Stand, der Lauch hat, den ich noch nirgends anders gesehen hatte. Aber stören will ich nicht. Einen Moment später tritt aber ein Einheimischer an den Stand und so können wir auch dort einkaufen – drei Stangen Lauch und zwei Bund Kräuter, alles andere haben wir schon. Als Eckhard bezahlen will, fragt der Händler, ob wir mitessen wollen – also genauer, er sagt: “Manger” ? Und zeigt auf die Tajjine, um die schon drei andere Männer auf Obstkisten drumherum sitzen. Und Eckhard sagt, “No, Merci” !!! Ich denke, NEIN, natürlich wollen wir mitessen, egal was, so ein Erlebnis gibts doch nicht alle Tage. Ich lese immer wieder von der großen Gastfreundschaft der Marokkaner, aber außer auf den Campingplatz haben wir bisher keinen Kontakt gehabt. Zum Glück wiederholt er seine Einladung und wir sagen zu. Wir bekommen Wasser über die Hände gegossen zum Waschen, gegessen wird ja mit de Fingern, zwei rücken jeweils auf ihrer Kiste zusammen, wir bekommen Fladenbrot abgerissen und dann tunken wir, wie alle anderen auch, das Brot in die Tajine, man schiebt etwas Gemüse an den Rand und nimmt es mit dem Brot auf – was gar nicht so einfach ist, die Tajine ist immer noch sehr warm. Außer dem Standbesitzer spricht keiner französisch, er sagt fast immer nur “Mademoiselle manger manger”. Es schmeckt total lecker, in der Mitte ist auch ein bißchen Fleisch, sonst Kartoffeln, Erbsen und Karotten. Aber das nur nebenbei. So sitzen wir mit vier “fremden” Männern fast auf dem Boden und essen gemeinsam. Es fühlt sich total außergewöhnlich und gleichzeitig total normal an. Das Essen ist aufgegessen und der Besitzer fragt, ob wir noch ein Foto machen wollen, aber da springen die anderen schon auf und so gibt es nur noch die leere Tajjine.
Und unser Gemüse dürfen wir auch nicht bezahlen.
Zurück auf dem Campingplatz gehen wir noch zu einem deutschen Paar, beide weit über die siebzig, die zum xten Male in Marokko sind, um uns ein paar Tipps für unsere Weiterfahrt zu holen. Es wird ein schönes Treffen mit einer Flasche Grauburgunder – Helmut hat immer 40 Flaschen auf allen Reisen dabei!
Die Frage, wie wir weiterfahren, beschäftigt uns den ganzen Sonntag. Ursprünglich dachten wir, dass wir quasi fast die gleiche Strecke zurück fahren, nicht an die Wüste ran und auch nicht über die Berge. Aber alle, die wir getroffen haben und über die Berge von Tanger runter gekommen sind, haben uns vorgeschwärmt, wie atemberaubend schön die Landschaft ist, bis dahin, dass Helmut meinte, das eigentliche Marokko findet man im Landesinneren. So studiere ich Karten und Reiseberichte im Internet – Zeit für die Strecke haben wir. Als wir schon entschieden sind, es zu machen, fällt uns ein, dass unser Womo bzw. Dessen Turbolader schon seit Sommer ein Problem hat. Das Problem hatte sich nicht verschlimmert und das Auto ist bis hierher super gelaufen. Aber würde es auch die Serpentinen schaffen?
Eckhard meint, ein erster Check wäre eine Kompressionsmessung. Wir checken verschiedene Quellen und entschließen uns, nach Guelmim zu einer Werkstatt zu fahren. Dort hatten wir Samstag ein Wohnmobil aus Potsdam – Mittelmark ohne Räder stehen sehen, und wollen nachzufragen, ob sie uns weiterhelfen können.
Können Sie! Mit sechs Mann und zwei Frauen, die englisch sprechen und übersetzen, stehen sie um unser Womo herum. Aber die Werkstatt an sich ist die falsche, wir sollen zu einer anderen fahren. Damit wir auch die richtige finden, will einer mitfahren, der auch spanisch spricht und dann noch einer, der dann einfach auf dem Schoß des ersten vorne sitzt, ich hinten.
Die andere Werkstatt ist nicht weit, aber auch die können uns nicht weiterhelfen, aber sicher eine weitere. Na, ob das noch was wird?
Aber doch, das andere ist eine “richtige” Auto-Motor- Schrauber- Werkstatt, so groß wie eine Garage, so wie alle Werkstätten hier, und alle am Straßenrand.
Mit lustigen Aussagen bzw. Übersetzungen erklärt uns der “Spanier”, das wir eine Minute “Brrt” machen müssen, was auf deutsch heißt, den Motor zwischen 3 und 4Tausend Umdrehungen zu halten und dann ist alles “Aahh” wieder gut. Und möglichst einen Wasserschlauch in den Auspuff bei laufendem Motor halten, dann käme der ganz Dreck raus, denn der Katalysator sei verstopft, nix Turbolader. Was sich nach einer abenteuerlichen Beschreibung anhört, hat uns später dann das Internet als wirkliche Methode zur Reinigung des Kat bestätigt. Und das alles haben sie gecheckt, in dem sie die Hand vor den Auspuff gehalten haben und Gas gegeben. Mit vielen guten Wünschen werden wir verabschiedet und wir müssten unbedingt nach Sidi Ifni im Meer baden, Unseren Einwand, dass wir dort schon waren, ignoriert der “Spanier” und macht immer nur Schwimmbewegungen am Straßenrand zum Abschied.
So werden wir morgen frohen Mutes Richtung Osten aufbrechen.
Seit einer Woche sind wir in Sidi Ifni und versuchen, auf einem immer voller werdenden Campingplatz Arbeit und Bewegung in unserem Leben zu vereinen. Super ist, dass man am Strand einige Kilometer bei Ebbe laufen kann, oder zur Fitnesssteigerung die Treppen hoch in Ort immer schneller gehen kann.
Wir “wohnen” jetzt seit gut drei Monaten im Wohnmobil. Es gibt eine ganze Liste von Dingen, die wir entweder zu viel oder leider nicht dabei haben. Zum Beispiel fehlen mir in der Küche einige Sachen. Vieles hatte ich so gelassen, wie es war, recht provisorisch, zum Beispiel haben wir nur einfache Kochmesser nicht die “guten” dabei, obwohl das hier doch jetzt unser Zuhause ist. Zwei zusätzliche Kochtöpfe hatte ich eingeräumt, aber dahin, wo Platz war, in den Schrank ÜBER der Spüle. Jetzt habe ich mich drei Monate lang fast jeden Tag darüber geärgert, wie unpraktisch das ist, bis mir vor wenigen Tagen DIE Idee kam: ich räume einfach um! :-)) Jetzt sind die Tassen OBEN und die Töpfe UNTEN, viel besser. Verrückt, oder? Aus Gewohnheit habe ich mich lieber gequält und geärgert.
Was uns auch fehlt, ist ein Falt-Eimer. Bisher dachte ich, das ist Camping-Schnick-Schnack. Stimmt nicht, einen Eimer braucht man immer, z.B. zur Abwasserentsorgung, wenn man länger steht und Platz ist wenig im Womo. Die Eimer gibts hier leider nur bei den Nachbarn, und die geben die nicht freiwillig her. Allerdings haben wir auch noch nicht gefragt.
Küche ist ja nun wirklich mein Lieblingsthema. Leider habe ich bei dem ersten Brotbackversuch den Boden der Tajine kaputt gemacht, zu schnell hoch geheizt. Wir haben wieder einen neuen, die Dinger kosten hier sehr wenig, und Eckhard hat die letzten Tage Sauerteig gepflegt. Das Ergebnis ist noch ausbaufähig, vor allem brauchen wir noch ein Metallgestell, um mehr Abstand und Tajine zu bringen. Das werden wir von einem der vielen Handwerker hier uns bauen lassen.
sieht eher wie ein Frikadelle aus…
…aber die „Fensterung“, wie der Bäcker sagt, ist schon sehr gut!
Apropos, unser Wohnmobil ist repariert! Letzten Sonntag wurde geschraubt und geschliffen und lackiert, alles hier auf dem Stellplatz unter freien Himmel. Das Ergebnis ist echt ne Wucht!
Der R4 ist die Werkstatt
ein blech wurde dahinter genietet
gespachtelt
nach gut 6 Stunden und ca.170€ ist alles fertig!
Wie schon gesagt, der Campingplatz wird immer voller, was heute morgen zu Stress geführt hat. Gestern Abend schon hat sich ein Paar mit einem Riesenhund und einem Geländewagen, auf dem ein Zelt auf dem Dach montiert ist, neben uns gestellt. Im Gegensatz zum Wohnmobil muss deren Leben zum größten Teil draußen stattfinden, was natürlich auch mehr Lärm verursacht. Als dann auch noch das Wohnmobil vor uns sich eine Parzelle näher an uns gestellt hat, wurde das Gefühl, “Hilfe, wir sind eingeengt” schlagartig mehr. Es ist für uns sowieso nicht immer einfach, in all dem Rentner – Camping-Gedönse die Konzentration auf Arbeit zu halten. Eckhard arbeitet weiter an seinem Onlineshop, was doch mehr Arbeit und langwieriger ist, als wir dachten – aber was ich durch andere blogs von Menschen, die im Wohnmobil leben und arbeiten mittlerweile weiß, dass es eben viel Arbeit ist – und unser zweites Standbein, Kuchenfeuer, geht auch weiter in die Planung für das kommende Jahr, vor allem will das Finanzamt eine finanzielle Plausibilitätsvorschau, was inhaltlich einfach ist, denn die Zahlen aus 2019 sprechen für sich! Jetzt sind wir kurzerhand zwei Parzellen weiter nach vorne links gerückt, das war eine gute Entscheidung!
Apropos Finanzamt. Unsere Silvesterbeschäftigung bestand darin, meine weitgehend fertige Umsatzsteuererklärung für 2019 fertig zu machen und Punkt Neujahr abzuschicken. Was uns auch mit 15 Minuten Verspätung gelungen ist. Und siehe da, es hat sich gelohnt, nach knapp zwei Wochen ist das Geld schon auf meinem Konto! Durch den Anhängerbau ist es soviel, dass wir auch das Geld für den Sprit zurück jetzt wieder haben :-)))
Achso, das Gewürz habe ich auch ausprobiert, in einer Art Pfannkuchen mit Birnen, war sehr lecker! Nur nicht so hübsch, daher kein Foto. Dafür noch ein paar Eindrücke aus Sidi Ifni, das bis 1969 spanisch war.