Wir stehen seit drei Tagen in Mohamedia, eine Stadt zwischen Casablanca und Rabat. Die letzten Tage waren bestimmt davon, sich zurecht zu finden,. Wir haben festgestellt, das wir stärker gefremdelt haben als wir uns das vorgestellt hatten. Ich versuche mal, unsere inneren Dialoge zu beschreiben. Zum Beispiel kommen morgens Gemüse- oder Fischhändler auf den Campingplatz gefahren, manche zurückhaltend, andere direkt an die Tür. Gerade wieder. Mit einem lautstarken Moped. Total frischer Fisch aus dem Atlantik. Bin ich eher genervt oder freue ich mich, dass ich die Ware vor die Haustüre geliefert bekomme? Bei meinen Eltern kommt auch einmal die Woche der Fischhändler. Aber das ist immer Grund zur Freude, weil es dann frischen Fisch gibt, genervt ist da niemand. Ok, man könnte jetzt sagen, das ist ja auch nicht jeden Tag. Aber bisher hatten wir keine aufdringlichen Verkäufer, wenn man nein sagt, gehen sie auch wieder. Ganz schön konfrontierend, unser Misstrauen zu sehen. Als wollte uns jeder übers Ohr hauen.
Von Rabat sagt man, dass dort in der Medina vorwiegend Einheimische einkaufen gehen und der Fokus nicht auf Touristen liegt. Daher würden die Händler auch nicht die Kunden in die Geschäfte ziehen wollen. Das kommt uns sehr gelegen und so sind wir dann gestern mit Taxi und Zug von unserem Campingplatz aus nach Rabat gefahren. Taxi fahren ist hier sehr günstig, für eine viertel Stunde haben wir 6€ bezahlt.
Im Zug mussten wir stehen, 45 Minuten, und als wir aussteigen, tut mir der Rücken weh und ich will erst mal einen Kaffee trinken. Auch was essen? Nein, vielleicht ein Croissant. Aber welches Cafe? Da gibt es die mit den Touristen und die mit den Einheimischen, in letzteren sitzen aber nur Männer. Können wir uns dort auch hinsetzen? Wir stehen etwas ratlos herum und da kommt uns der Kellner zur Hilfe, zieht zwei Stühle VOR alle anderen und bedeutet uns, die schöne Aussicht zu genießen. Im ersten Moment war es etwas ungewohnt. Zwei Kaffee und zwei Schokocroissant für 3€, das sind wirklich keine Touristenpreise, und sehr lecker. Wir schlendern zum Tour Hassan, siehe Fotos, und genießen die erstaunliche Ruhe dort oben.


Mensch und Tier sind lebendig 
Und dann machen wir uns mit der Straßenbahn auf Richtung Medina. Man kann tatsächlich völlig unbehelligt von Kaufanimationen dort durch gehen. Was allerdings völlig verrückt ist, sie bauen und renovieren dort gerade sehr viel. So fahren in all dem Gewusel auch noch Betonmischer! Es ist eine unglaublich Farben und Geruchsvielfalt. Und die Bilder all der Dinge, die ich gesehen habe, waren heute Nacht auch noch da. Gekochte Kamelköpfe zum Beispiel. Erst einmal die „Hauptstraße“ einmal durch und hinten wieder raus, Eckhard kauft sich ein vegetarisches Essen und ich einen Granatapfelsaft. So stehen wir dann wieder an der Promenade. Aber wir haben noch keinen einzigen Teppich gesehen! Das muss schon noch sein. Also wieder einen anderen Gang rein. Es ist relativ leer, es haben auch längst nicht alle Geschäfte geöffnet, die Hauptzeit ist auch erst ab 16 Uhr, jetzt ist es vielleicht 14 Uhr. Und dann trauen wir uns auch in die Seitengassen, da, wo zum Beispiel in ganz kleinen Räumen Näher an ihren Maschinen sitzen. An einem Laden, der nicht größer ist als eine kleine Garage, stehen Menschen bis auf die Straße, es riecht sehr lecker. Es spricht uns jemand auf französisch an, ich verstehe es nicht. Eckhard sagt, er fragte, was wir suchen und da wir nicht suchen, ist er weiter gegangen. Ich bin neugierig und gehe zurück, um zu sehen, was es dort gibt. Dann spricht uns ein Marokkaner auf englisch an, hier gäbe es den besten frischen Fisch, ob ich probieren wolle. Und schon steht er mit mir ganz vorne im Laden, ich bekomme ein Stück Fisch zum probieren und dann kann ich mir das beste „Fischbrötchen“ meines Lebens zusammen stellen. Es sind gebratene Sardinen, sagen sie, aber nicht so kleine, sondern Filets und in der Panade muss ein marokkanisches Gewürz sein. Obenauf nehme ich Tomaten und Zwiebeln und eine süßliche Soße, sehr dezent. Es schmeckt unglaublich. Und wir dürfen nicht selbst zahlen. Sofort meldet sich wieder meine Skepsis, ob wir anschließend nicht doch noch einen Teppich kaufen sollen, beim Cousin. Aber der Mann war beruflich öfter in Wiesbaden, spricht englisch und hat sichtlich Freude, dass wir Deutsche in seiner Heimatstadt Rabat gelandet sind. Und dann ist er auch noch in der Medizintechnik tätig, wir haben natürlich Kontaktdaten ausgetauscht. Völlig beseelt ziehen wir weiter durch kleine Gassen, erstehen noch süßes Gebäck in einer ganz engen Gasse und kommen gerade kauend auf der großen Gasse wieder an, als uns ein Polizist anspricht, ob wir das in dem kleinen Laden gekauft hätten, das wäre ein echt schlechter Laden, er würde den schließen, wenn er könnte. Augenzwinkernd. Ich habe einen kurzen Moment gebraucht, um zu verstehen, dass er uns veräppelt! Und es ihm vielleicht sogar gefallen hat, das wir in der engen Gasse waren.
Für Miri und Kim besorgen wir noch Starbucks Sammeltassen, dazu müssen wir zum neuen schicken Vorstadtbahnhof. Der Kontrast zur Medina könnte nicht größer sein. Viel Glas und Marmor und Stahl, so wie eben moderne Bahnhöfe heute überall aussehen. Auch das ist Marokko. Bis wir wieder zu Hause sind, ist es dunkel. Wir hatten noch ein kurzes Abenteuer, weil wir ins „falsche“ Taxi gestiegen sind. Unser Taxifahrer vom morgen wollte gerne auch die Abendtour für uns machen. Weil er aber nicht zur verabredeten Zeit plus 20 Minuten da war, und ein anderes Taxi hielt und der Fahrer wohl eher geraten hatte, dass wir zum Campingplatz wollen, sind wir eingestiegen. Er fuhr dann aber erst mal in die andere Richtung. Unser eigentlicher Taxifahrer hat dann diesen Taxifahrer angerufen. Woher es das wusste, keine Ahnung. Jedenfalls sind wir nach einer kurzen Rundfahrt in einem uralt Mercedes in dem irrsinnigen Abendverkehr – in den Kreiseln sind oft keine Spuren eingeteilt, es fahren so viele, wie es rein schaffen, dicht an dicht, neben uns ein nagelneuer Tesla – am Bahnhof wieder ausgestiegen, wo „unser“ Taxifahrer mittlerweile auf uns gewartet hat.
Hinterlasst gerne Kommentare, ich freu mich drüber.



Ihr Lieben, das klingt ja echt gut – die Verkaufs(zwangs)einladungen kommen dann schon noch, gehört auch dazu 🙂 Marokko ist soo ein schönes Land, ihr werdet noch viele Wunder erleben – und Kälte auch! So von wegen Flucht in die Wärme: im Atlas kann man Skifahren… Danke für die tollen Fotos, ich freu mich auf mehr! Und nun wünsch ich euch einen guten Rutsch ins Neue Jahrzehnt! Cornelia
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Was bewachen der Schimmel und der rotgewandete Mensch denn?
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Das Tour Hassan und das Mausoleum
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liebe christiane, ich bin begeistert von Deiner schreibe und reise richtiggehend mit. viele gefühle kann ich nachvollziehenn – ein bisschen klang es wie in indien.
herzlich
barbara
ps. leo möchte deinen blog auch lesen. wie geht das?
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Danke! Ich schicke ihm einfach die Adresse per Email
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Wie ich mich direkt in die Medina zurückversetzt gefühlt habe 🙂 einfach toll
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Hallo, ihr beiden;
jetzt klicke ich mich so nach und nach durch euren Moarokko-Blog durch, und es wächst die Vorfreude, bald wieder in diesem schönen Land zu sein. Ab 20. 4. werde ich zusammen mit Bettina da richtig klassisch Urlaub machen. Da ist euer Blog eine gute Vorbereitung. Wo seid ihr den jetzt so? Wieder /noch Ostseeküste /Kuchenfeuer?
Herzliche Grüße
Georg
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Ich habe dir eine Mail geschickt, angekommen?
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